12/05/2026
Ich kenne eine Frau, die Schmetterlinge flattern hört. Glaubst du nicht?
Nur weil man sich etwas unmöglich vorstellen kann, ändert das nichts daran, dass neurodivergente Wahrnehmung ist wie sie ist.
Glauben, evt. nachfragen, Belastung anerkennen - Die einzig respektvolle Reaktion!
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👻 - Es ist zu laut.
Eines der am meisten unterschätzten Themen bei Neurodivergenz ist die akustische Reizüberlastung. Viele Menschen stellen sich darunter vor, dass jemand „ein bisschen empfindlich auf Lärm“ reagiert. Aber für viele neurodivergente Menschen geht es weit darüber hinaus.
Es geht nicht einfach nur um Lautstärke.
Es geht um ein Nervensystem, das Geräusche permanent verarbeitet und oft nicht ausreichend filtern kann.
Während manche Menschen Hintergrundgeräusche irgendwann ausblenden, bleibt bei vielen Neurodivergenten alles gleichzeitig im Bewusstsein. Das Gespräch am Nebentisch. Das Summen der Neonröhre. Das Brummen eines Kühlschranks. Straßenlärm. Tastaturen. Hundegebell. Der Fernseher im Hintergrund. Schritte. Lüftungen. Das konstante akustische Grundrauschen moderner Städte.
Und genau das kann extremen Stress auslösen.
Das Problem ist nämlich nicht nur der einzelne Reiz, sondern die Dauer. Das Nervensystem bekommt keine echte Pause mehr. Viele beschreiben es, als würde das Gehirn ständig versuchen, zehn Radiosender gleichzeitig zu verarbeiten.
Hinzu kommt etwas, das Außenstehende oft schwer nachvollziehen können: Manche Geräusche werden nicht nur gehört, sondern körperlich gespürt. Tieffrequentes Brummen, bestimmte Maschinen, Neonröhren, elektrische Geräte oder hohe Frequenzen können ein massives Unwohlsein auslösen, obwohl andere Menschen sie kaum wahrnehmen oder ignorieren können. Manche reagieren sogar auf Ultraschallanteile bestimmter Geräte oder auf das permanente elektrische Summen moderner Technik.
Das klingt für Außenstehende schnell übertrieben – bis man versteht, dass Wahrnehmung neurologisch tatsächlich unterschiedlich verarbeitet wird.
Genau hier liegt wahrscheinlich einer der wichtigsten Punkte: Neurodivergente Nervensysteme scheinen Reize oft weniger stark zu filtern oder intensiver zu gewichten. Das bedeutet nicht, dass die Menschen „schwächer“ sind. Es bedeutet eher, dass mehr Informationen gleichzeitig ungefiltert verarbeitet werden.
Und das kostet Energie. Sehr viel Energie.
Deshalb sind viele neurodivergente Menschen nach einem Tag in Großraumbüros, Innenstädten oder lauten sozialen Umgebungen völlig erschöpft, obwohl sie „eigentlich gar nichts gemacht haben“. Das Nervensystem war die ganze Zeit im Alarmmodus.
Interessant ist aber etwas anderes: Diese Reize sind nicht nur für Neurodivergente ungesund.
Auch neurotypische Menschen leiden nachweislich unter Dauerlärm. Chronischer Lärm steht mit Stressreaktionen, Schlafproblemen, erhöhtem Blutdruck, Konzentrationsproblemen und psychischer Belastung in Verbindung. Der Unterschied ist oft nur, dass neurodivergente Menschen früher und heftiger darauf reagieren.
Und genau darin könnte wieder eine wichtige gesellschaftliche Schnittstelle liegen.
Denn vielleicht zeigt die massive Geräuschempfindlichkeit neurodivergenter Menschen einfach besonders deutlich, wie unnatürlich laut und reizüberflutet unsere moderne Welt geworden ist. Städte brummen permanent. Überall Bildschirme, Lautsprecher, Verkehr, Maschinen, Benachrichtigungen und Hintergrundgeräusche. Wirkliche Stille existiert für viele Menschen kaum noch.
Das Nervensystem des Menschen wurde evolutionär nie für eine dauerhafte akustische Dauerbeschallung entwickelt.
Und vielleicht reagieren manche Nervensysteme einfach ehrlicher oder direkter auf diese Überlastung.
Das bedeutet nicht, dass man jede Geräuschquelle vermeiden kann. Aber es erklärt, warum viele neurodivergente Menschen plötzlich entspannen, sobald Ruhe entsteht. Warum Noise-Cancelling-Kopfhörer, Rückzugsorte oder stille Umgebungen für manche kein Luxus, sondern echte Entlastung sind.
Denn irgendwann ist das Problem nicht mehr einzelne Lautstärke.
Das Problem ist, dass das Nervensystem nie wirklich abschalten darf.
Und genau deshalb sollte man Geräuschempfindlichkeit vielleicht weniger als „Überempfindlichkeit“ betrachten und mehr als eine ernstzunehmende Form neurologischer Dauerbelastung.
Wie erlebt ihr das? Gibt es bestimmte Geräusche oder akustische Situationen, die euch massiv stressen, obwohl andere Menschen sie scheinbar problemlos ausblenden können?
(Text von mir. Bild erstellt mit ChatGPT)