20/10/2023
Das Game nach dem Spiel oder wenn die Nati zur Nebensache wird
+++ Der etwas andere Bericht +++
Als ich mich am vergangenen Sonntagabend nach dem 5-1-Hiemsieg gegen den FC Seefeld für das EM-Qualifikationsspiel aufs Sofa fläzen wollte, musste ich zur Kenntnis nehmen, dass beide TV-Geräte in unserem Hause bereits anderweitig besetzt waren: 10 Spieler der ersten und zweiten Mannschaft (verstärkt durch einen B-Junior) hatten sich via Playstation zum gemeinsamen Online-Gamen verabredet und getroffen.
Nachdem auch mir eine gewisse Affinität zum Konsolenspiel nachgesagt wird, war es wenig verwunderlich, dass mich das Geschehen innert kürzester Zeit in seinen Bann gezogen hatte und ich Muris Mannen nur noch aus dem Augenwinkel via Handy verfolgte.
Eine kurze Einleitung für Nicht-Eingeweihte: Vor kurzem kam die neueste Version des in den letzten beiden Jahrzehnten unter dem Namen «FIFA» bekannten Playstation-Spiels auf den Markt. Einer der verfügbaren Spielmodi nennt sich «Pro Clubs». Dabei werden die 11 Online-Männchen eines Teams von zwischen 2 und 11 Playstation-Spielern aus Fleisch und Blut gesteuert.
Wenn sich nun – wie eben am letzten Sonntag der Fall – gleich 10 Jungs online zusammenfinden, dann wird das ziemlich spektakulär. Zumal die Eggemer Auswahl in der zweithöchsten Division antritt und sich demzufolge mit durchaus ernstzunehmenden Kontrahenten aus aller Welt misst. Da heisst es konzentriert zu sein und (via Headset) gut zu kommunizieren. Dass der Spass dabei nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst. Wenn ein Spiel einseitig ausfällt oder die Vorentscheidung gefallen ist, wird der Ernst der Situation hin und wieder auch gekonnt ignoriert, was regelmässig zu Heiterkeit und Holdrio beim dem neben mir auf dem Sofa agierenden Nilo führte – simultan johlte es dann jeweils auch aus dem Untergeschoss herauf, wo sei Bruder in seinem Zimmer den Controller malträtierte.
Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Herrschaften ein beachtliches Niveau an den Tag legten. Das sieht dann teilweise richtig nach Fussball aus und macht auch beim Zuschauen Spass. Interessant dabei, dass die Rollenverteilung ganz ähnlich wie im «Real Life» ist: Marcel Pereira gibt den Abräumer in der Innverteidigung, während Remo Casciato im gegnerischen Sechzehner auf Torgelegenheiten lauert. Naja, nicht alle halten sich an Ihre Rolle – Tom Wenger will beim virtuellen Fussball ein wenig mehr offensive Akzente setzen als auf dem Kunstrasen und spielt weiter vorne. Weiter dabei: Lars Gerlach, Finn Schwerzmann, Lelu Ljaskowsky, Jan Ott, Gonçalo Ferreira sowie Kimi und Nilo Widemann. Grosser Abwesender an diesem Sonntag: Der Captain der ersten Mannschaft, Yannick Dos Reis.
So zog ich mir also unsere Jungs beim Online-Fussballspielen rein anstatt zu verfolgen, wie sich gleichzeitig die Herren in Rot 50 Kilometer weiter östlich in St. Gallen blamierten. Hat sich aber durchaus gelohnt, wie ich finde. Das Ganze war äusserst unterhaltsam und die Resultate konnten sich sehen lassen - und waren trotzdem einigermassen nebensächlich. Mal gibt’s auf die Kappe und beim nächsten Mals läufts wieder wie geschmiert. Oder wie es schon der grosse Poet Lemmy Kilmister selig ausformulierte: «Win some, lose some – it’s all the same to me»…
PS: Noch mehr Spass hat mir der Sonntagnachmittag auf der Kirchwies gemacht! Tolles Spiel, weiter so Jungs!
René Rieder