12/11/2018
Pünktlich zum Beginn der narrischen Jahreszeit am 11.11. haben wir uns einen langgehegten Traum erfüllt und die Tour in , in unser geschärftes Visier genommen. Die Bedingungen schienen nahezu perfekt, nicht zu warm, kein gleißender Sonnenschein, kein Niederschag seit ein paar Tagen (die 0,9 mm der Nacht lassen wir mal außen vor) und ein hochmotiviertes und vor allem erfahrenes Team.
Wir sind um 8 Uhr am Hotel abgefahren, um zwanzig vor neun am Parkplatz zu stehen und den Genuss zu haben, uns bei 4 Grad in den vom Vortag noch nassen Neopren zu quälen, zumindest bei passender Musik.
Ein Anweg von gut eineinhalb Stunden durch unwirtliches Gelände, ein schwerer Rucksack und das Spuren in 50 cm tiefen Schnee versuchen uns den Weg abzuschneiden, aber vier beharrliche junge Männer haben ein Ziel...
Beim Erreichen des oberen Segnesbodens erblicken wir Weiß soweit das Auge reicht, am Boden Schnee und am Himmel Wolken. Nur ein kleines Bächlein fließt durch die weite Ebene. Unsere Vorstellungskraft ist zu schwach, um uns auszumalen, was dieses Wasser aus der riesigen Granitwand gespalten hat, der Einblick in den Einstiegskanal ist vielversprechend aber weit davon entfernt, was uns im Inneren erwartet.
Wir zwängen uns im wahrsten Sinne des Wortes durch Engstellen, die neben einer gewissen Schlankheit auch Disziplin erfordern, damit man nicht in Panik gerät.
Der Gedanke, dass einen dieser mächtige Berg mit seinen rund polierten Granitzähnen lieber verspeist, als einen passieren zu lassen ist so präsent wie die Kälte, das turbulente Wasser und die ständige Anstrengung aus Klettern, Quetschen und Rucksack über die Lücken heben.
Nur mit einer leistungsstarken Stirnlampe erschließt sich die gesamte Schönheit, die mindestens europaweit einmalig ist. Der ist zwar stellenweise nur wenige Meter tief, aber er ist so eng in den Fels gefräst, dass es fast immer eher dunkel als hell ist.
Gewürzt wird dieses Abenteuer, dass sich eher nach "unter der Erde" als nach "in einer " anfühlt, durch mehrere hohe Wasserfälle. Hier hat der Berg seine gesamte Kraft gezeigt und das Wasser nicht tiefer eindringen lassen, sondern es ausgespuckt in den weltbekannten Segnes Wasserfall, der sich in mehreren Stufen über 100 Meter in den unteren Segnesboden ergießt und dabei im Sommer tonnenweise Kies mitbringt.
Ein kräftiger Wasserstrahl erfreut den und hinterlässt einen ebenso nachhaltigen Eindruck wie die gesamte Tour.
Ich danke den Entdeckern und Erschließern für den Wagemut, sich durch so ein Ungeheuer zu kämpfen und an den richtigen Stellen Haken anzubringen. Ihr Beitrag zur Canyoningwelt gehört zum Besten, was ich je begangen habe.
Daher in 2019:
http://www.verdon.de/reiseziele/graubuenden.html