09/04/2026
Ich habe gemerkt, dass etwas nicht mehr stimmt.
Trotzdem habe ich weitergemacht.
Das ist etwas, das mir immer wieder begegnet, überall auf der Welt.
Nicht in meiner Arbeit, sondern in vielen Gesprächen unterwegs, die oft schneller persönlich werden, als man erwartet: An den unterschiedlichsten Orten: In einem Coffeeshop beim Zeitungenblättern, in Garküchen, bei einem Apéro, in der Metro, im Bus, auf Fähren oder im Flugzeug.
Aus dem Nichts erzählt mir jemand mehr, als ursprünglich gedacht. Aber genug, um zu spüren, dass es mächtig brodelt unter dem Deckel. Ich höre fantastische Anekdoten und Erlebnisse, denke, dass das alles fantastisch und inspirierend klingt, dass es sich um ein perfektes Leben handelt. Trotzdem passt irgendetwas nicht ganz zusammen, die Rechnung geht nicht auf, es hakt irgendwo.
Es sind unterschiedlichste Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen und doch ist es oft erstaunlich ähnlich.
Es sind meistens keine Dramen oder grosse Krisen, an denen zu erkennen ist, dass sich innerlich etwas verschoben hat, sondern eher Nuancen im Duktus, in den gezeigten Emotionen, der Gestik, etc.
Diese Menschen funktionieren weiterhin, entscheiden und leisten, sind aber nicht mehr ganz bei sich.
Was mich daran immer wieder beschäftigt:
Ihnen fehlt nicht der Durchblick. Die meisten wissen haargenau, wo sie sich selbst übergehen. Was sie zurückhält ist die Tatsache, dass es trotzdem noch geht. Sie sind stark, um noch eine Zeit lang weiter zu funktionieren.
Ich kenne das auch von mir.
Vielleicht ist genau das der schwierigste Punkt: nicht wenn etwas zusammenbricht, sondern wenn alles noch funktioniert.
Mich interessiert:
Kennst du dieses leise Wissen auch –
und wie lange hörst du ihm schon nicht mehr zu?
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