14/01/2017
Ein großes Dankeschön!
Am 28.12. des vergangenen Jahres hab ich einen sehr persönlichen Beitrag mit dem Titel "Jahrrückblick" gepostet. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diesen Beitrag denn veröffentlichen soll - immerhin hab ich mich in dem Post von meiner verwundbarsten Seite gezeigt und tiefe Einblicke in meine Gefühlswelt zugelassen. Wie sich herausgestellt hat, waren meine Ängste wie so oft unbegründet, denn die Resonanz war unglaublich. Ich war nicht nur von den zahlreichen Kommentaren, sondern vor allem auch von den dutzenden Nachrichten, die mich erreichten, überwältigt. Vielen ging oder geht es ähnlich. Viele, die genau das und noch schlimmeres schonmal durchgemacht haben, gaben mir Mut und Hoffnung. Viele haben mir auch einfach nur gesagt, wie toll und mutig sie es finden, dass ich das Thema "psychische Gesundheit" so offen angesprochen habe. Euch allen möchte ich in diesem Beitrag ein riesengroßes DANKE aussprechen. Ihr habt mir sehr geholfen mich wieder lebendig und wertgechätzt zu fühlen.
Mir geht es gut zwei Wochen nach der Veröffentlichung des Beitrages, nicht zuletzt ob eurer zahlreichen Kommentare und Nachrichten, schon um einiges besser und in diesem Beitrag soll es darum gehen, was mir noch geholfen hat diese Phase meines Lebens zu überwinden und wieder einen großen Schritt in Richtung meines lustigen, lebensfrohen alten Ichs zu machen. Vielleicht kann ich damit auch einigen von euch wieder ein klein wenig helfen.
Was bisher geschah:
Da es mir vor Weihnachten schon zu lange unverändert richtig mies ging, stellte meine Ärztin den Einsatz von Antidepressiva in den Raum. Davor sollte ich aber ein großes Blutbild machen, um hormonelle Ursachen auszuschließen. Konkret ging es um Testosteron, Östrogen und Schulddrüsenhormone, die die Stimmung beeinflussen können. Kurzum: das Blutbild war unauffällig und ich habe mich im neuen Jahr mit verschiedenen Ärzten und Therapeuten über meine künftige Medikation beraten. Der Vorschlag, der mir am vernünftigsten erschien, war der Einsatz von (rezeptfrei in der Apotheke erhältlichem) Johanniskraut (ein "natürliches" Antidepressivum). Ich sollte erstmal dieses milde Supplement ausprobieren, bevor ich mit der Einnahme von unter Umständen doch recht nebenwirkungsreichen Medikamenten beginne. Tatsächlich merkte ich in den ersten 20 Minuten nach der ersten Einnahme eine deutliche Verbesserung. Das triste Dunkelgrau, die Perspektivenlosigkeit und das Gefühl von seinen Gedanken erdrückt zu werden wichen langsam wohligeren Empfindungen und erstmals konnte ich das Licht am Ende des Tunnels sehen. Es war in greifbare Nähe gerückt. Zuerst dachte ich an den Placeboeffekt, aber als es Tag um Tag besser wurde, war es mir echt egal was genau in meinem Körper vorging, denn ich mochte einfach das Gefühl wieder tief durchatmen zu können, ohne dass ein verzweifeltes Seufzen folgte.
Was ich auch verändert habe, war der Umgang mit mir selbst. Stellte ich in den vergangenen Jahren meine Bedürfnisse stets unter jene von anderen, so versuche ich nun mehr und mehr mit mir selber ins Reine zu kommen, auf mich zu hören und Dinge zu tun die mir Spaß machen, um so den lebensfrohen, kommunikativen Sevi zu entfesseln, den ich noch irgendwo ganz tief in mir drin vermutete. Ich hab wieder begonnen gute Musik aktiv zu hören und mich dazu zu entspannen. Ich hab verschiedene Ausflüge gemacht und wieder erkannt welchen unglaublich positiven Einfluss Natur auf mich hat. Außerdem habe ich mich überwunden öfter mit Fremden zu sprechen. Alles in allem habe ich endlich wieder ein positiveres Bild auf meine Zukunft und bin mir sicher dass 2017 ein gutes Jahr wird, dem ich jetzt schonmal danke! Danke für neue Möglichkeiten, neue Perspektiven und neue Menschen, die ich kennenlernen darf.
Ich habe noch einen langen Weg vor mir, auf den ich mich allerdings schon freue. Ab jetzt gehts bergauf und ich bin unglaublich beruhigt, dass ich das endlich wieder ehrlich behaupten kann.
Was ist die Moral von der Geschichte? Nun, bestimmt nicht, dass ihr euch wahllos irgendwelche Pillen reinpfeifen sollt, die euch der nette Trainer aus dem Internet empfohlen hat! Ich möchte damit eigentlich sagen, dass es milde alternativen zu Antidepressiva gibt, die (zumindest mir) helfen wieder etwas Lebensfreude zu erlangen. Der viel wichtigere Part ist aber etwas daraus zu machen, endlich vor die Tür zu gehen und dem Leben wieder seinen ursprünglichen Sinn zu geben: zu leben!
2017 ist noch jung, aber ich möchte DIR trotzdem folgendes mit auf den Weg mitgeben: Dieses Jahr wird richtig geil, denn du bist am leben! Du kannst jeden einzelnen Tag bestimmen wohin die Reise geht. Und selbst wenn dich deine Reise vorerst nur zu deinem Hausarzt führt, um deine Situation mal zu besprechen, ist das ein Schritt von vielen, der dich in eine glücklichere Zukunft führt.
Zum Abschluss nochmal danke, dass ihr mit euren Kommentaren und Nachrichten eine tolerante und positive Umgebung schafft, die es mir erlaubt so offen sein zu können und somit womöglich dem ein oder anderen ein paar Gramm seiner oder ihrer Last von den Schultern zu nehmen.
Ich danke euch von ganzem Herzen!
Coach Sevi