09/12/2021
Vor ein paar Tagen kam ich in den “Genuss” einer Körperfettmessung. Ein guter Anlass, um sich ein wenig mit dem Begriff “Self-Compassion” (Selbstmitgefühl) zu beschäftigen.
23 Prozent! Ein überwältigendes Gefühl, das man wohl am besten mit “me fat” (Kundenzitat) zusammenfassen könnte, drängt sich mir auf. Gerne würde ich sagen, dass ich nach kurzem Schock sofort in den empathischen “Coach-Modus” umgeschaltet habe. Weit gefehlt. Eine starke Wut (auf mich selbst) kam auf, wie konnte ich es nur so weit kommen lassen?
Natürlich liegt dieser Wert im “gesunden” Bereich und stellt für viele ein realistisches Idealbild dar. Mein Ich misst sich aber an Standards, die ich niemals anderen auferlegen würde. Die (kinderlosen) Zeiten mit zweimal täglichem Training (2015) und die daraus resultierenden Körperfettwerte sind zwar lange vorbei, es hatte sich aber ein neues Wohlfühl-Gleichgewicht (2020) eingestellt.
Erstmal durchatmen. Ziemlich klischeehaft, hilft aber wirklich. Selbstmitgefühl? Heißt es einfach aufgeben, in den Verdrängungsmodus schalten, weil ja eh alles ok und verständlich ist? Nein. Es heißt die Fakten ehrlich aber unemotional zu beschreiben, sie zu akzeptieren und dann nett(er) zu sich selbst zu sein.
Ich habe also in den letzten 8 Wochen etwa 4 Kilo zugenommen. Aufgrund von Rückenschmerzen habe ich Bewegung und Training reduziert. Etwas (ok sind wir ehrlich: viel) mehr zu Essen hat mir geholfen, die unsichere Situation bis zur Abklärung beim Arzt zu überstehen. Soweit die Fakten. Was würde ich meinem Sohn in der gleichen Situation sagen? Ich würde ihn definitiv nicht verurteilen, sondern aufbauen.
Was hilft das alles bei den 23 Prozent? Sehr viel. Es macht den Kopf frei für die Erkenntnis, dass Abnehmen nicht mein eigentliches Ziel ist. Es geht vielmehr darum, nach meinen Werten/Überzeugungen zu leben und mich einfach gut zu fühlen. Dieses Umdenken löst für mich das MUSS auf, es gibt mir Freiräume. Auch wenn ich mich letztendlich entschlossen habe, etwas zu verändern (mehr Bewegung, bewussteres Essen) fühle ich nicht den Zwang mein FETT loswerden zu müssen. Es geht mir vielmehr darum, Schwung in Richtung meiner tiefsten Überzeugungen aufzubauen.