17/06/2026
Das Gasthaus von Rumi und Achtsamkeit
„Dieses Menschsein ist ein Gasthaus. Jeden Morgen ein neuer Gast.“
Mit diesen Worten beschreibt Jalal ad-Din Muhammad Rumi eine Haltung, die auch im Kern der Achtsamkeitspraxis liegt.
Unsere Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen sind wie Gäste: Freude, Dankbarkeit und Leichtigkeit genauso wie Angst, Traurigkeit oder Ärger. Manche heißen wir willkommen, andere würden wir lieber sofort wieder loswerden.
Doch Achtsamkeit lädt uns ein, allen Erfahrungen mit Offenheit zu begegnen. Nicht, um schwierige Gefühle zu mögen oder gutzuheißen, sondern um sie wahrzunehmen, ohne sofort gegen sie anzukämpfen. Oft entsteht zusätzliches Leiden erst durch unseren Widerstand gegen das, was bereits da ist.
Wenn wir lernen, auch unangenehmen Erfahrungen Raum zu geben, entdecken wir etwas Wesentliches: Alles verändert sich. Gefühle kommen und gehen. Gedanken kommen und gehen. Kein Gast bleibt für immer.
Vielleicht ist die Frage heute nicht: „Wie werde ich das los?“, sondern: „Kann ich dieser Erfahrung für einen Moment freundlich begegnen?“