10/09/2026
BLUMAU-NEURISSHOF - Die vergessene Pulvermetropole
1917 befand sich in Blumau-Neurißhof die riesige k.u.k. Pulverfabrik, die zugleich Österreichs erste staatliche Munitionsfabrik war. Auf dem weitläufigen Gelände standen Offiziers- und Beamtenwohnhäuser, eine Privatschule, ein Turnsaal, Spitalbauten, Labor, Dampfbad und Kasino.
Über die Ballisitbrücke gelangte man zu weiteren Betriebsstätten der Sprengstoffproduktion. In Neurißhof prägten Kasernen, eine große Feuerwehr und eine ungewöhnliche Kirche das Ortsbild. Insgesamt umfasste die Fabrik mehrere Produktionsbereiche, darunter Nitrozellulose, TNT, Pikrinsäure und Kunstsalpeter. 1917 arbeiteten hier rund 30.000 Menschen, viele davon unter gefährlichen Bedingungen in Holzbaracken. Schwere Explosionen waren keine Seltenheit.
Mit dem Ende der Monarchie 1918 zerfiel das Unternehmen. Nach erfolglosen Versuchen einer zivilen Nutzung wurden einige Anlagen im Zweiten Weltkrieg wieder betrieben. 1945 beschlagnahmten die Besatzungsmächte das Gelände, transportierten das Inventar ab und sprengten zahlreiche Gebäude. Heute zeugen mehr als 100 Ruinen und Fundamente von der einstigen Größe der Fabrik.
Die rund 4,5 km lange Tour führt von Neurißhof nach Blumau und vorbei an ehemaligen Fabrikgebäuden, Ruinen und alten Depots. Sie dauert etwa 2 Stunden, weist rund 40 Höhenmeter auf und ist einfach zu bewältigen. Start ist am Anton-Rauch-Platz beim Gemeindeamt. Einige Bereiche dürfen nur auf den markierten bzw. erlaubten Wegen betreten werden.
Anreise:
Bad Vöslau - Neurißhof (A.-Rauch-Pl.) Bus 311
Feixdorf - Neurißhof (A.-Rauch-Pl.) Bus 326
*Öffnungszeiten und Schilder des Garnisonsübungsplatz Blumau beachten: Meist Sa, So und feiertags zugänglich. Eine Begehung ist nur auf gekennzeichneten Strecken erlaubt.
Aus dem Buch „Endlich Wochenende - Niederösterreichs Süden und Westen, Oberösterreichs Osten und Burgenland“: https://www.rittbergerknapp.com/store/p33/ENDLICH_WOCHENENDE_2.html