08/09/2019
Für die Ausgabe des diesjährigen Programmhefts entstanden wieder kurze Beiträge zu Persönlichkeiten, die einen besonderen Bezug zum Internationalen Profi-Radrennen in der Marktgemeinde Gratwein-Straßengel aufweisen.
Dass Radsport und Stahlbau Gemeinsamkeiten haben, wird beispielsweise im Gespräch mit Siegfried Jaritz deutlich.
Papierrascheln, Tastenklicken und eine surrende Kaffeemaschine; Präzision und genaue Kalkulation. Abseits der hellen Büroräumlichkeiten dann der Gegenpart. Maschinenlärm, Motorengeräusche und ein kleines Radio, das im Abseits vor sich hin dudelt; Leistung und Tempo.
Auf einer Betriebsfläche von 20.000m² und 3000m² Produktionshallen werden diese zwei gegensätzlichen Welten miteinander vereint. Siegfried Jaritz Stahlbau & Montage GmbH wurde 1993 von Siegfried Jaritz gegründet und gilt mittlerweile im Bereich Geländerbau als einer der marktführenden Betriebe in Österreich.100 Mitarbeiter*innen und 12 Autocad-Techniker*innen sind am Standort in Gratkorn beschäftigt und sorgen für einen reibungslosen innerbetrieblichen Ablauf. Im Interview erzählt der Firmenchef von Erfolgen und Rückschlägen in den vergangenen Jahren und seiner persönlichen Verbindung zum Radsport.
Ein kurzer Rückblick auf die Firmengeschichte: Begonnen hat alles vor 26 Jahren in einem kleinen Betrieb in Schirning. 2002 wurde das Gelände dann zu klein und es fand ein Standortwechsel nach Gratkorn statt. Das damalige Sägewerk wurde in den folgenden Jahren um Büroflächen und Werkstätten kontinuierlich erweitert und ausgebaut.
Nach dieser anfänglich rasanten Erfolgsgeschichte des Stahlbau Jaritz bremst der Firmenchef nun im Umblättern der Seiten seines Firmenfotoalbums. 2007 schrumpfte die Produktionsfläche drastisch auf ein Drittel zusammen. Der Grund? Durch einen Kabelbrand im Deckenbereich brannte in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag eine Halle ab. Aber damit nicht genug, denn der Zufall wollte es, dass am selben Tag eine zweite ältere Halle ebenfalls niedergerissen wurde. Da blieb dann eigentlich nur noch dieses Gebäude übrig, meint Siegfried Jaritz und deutet auf das Zentrum der Luftaufnahme des Geländes mit den noch intakten Lagerhallen.
Der neu geplante Stahlbau traf dann zeitlich mit der Sanierung der Lagerhalle zusammen und mit einem großen Lagerzelt wurde die darauffolgende Zeit provisorisch überbrückt.
2011 folgte die nächste größere Investition in den Bürobau, der innerhalb eines Jahres fertiggestellt wurde.
„So eine Firma zu leiten und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, da kommt man auch mal sehr ins Schwitzen!“, schmunzelt Siegfried Jaritz und spannt inhaltlich den Bogen zum Radsport.
Radfahren steht für ihn nicht unbedingt im Gegensatz zum auf Außenstehende oft rau wirkenden Geschäft des Stahlbaus. „Jeder muss selbst seinen Mann stehen.“, wobei für ihn auch Teamfähigkeit und Leistungswilligkeit unverzichtbare Eigenschaften sind, die man sowohl im Radsport als auch in seiner Sparte mitbringen sollte. Persönlich hilft ihm der Radsport Ruhe zu finden. Auf der Suche nach einem sinnvollen Ausgleich zu einem Zwölfstundentag, begann er 1988, als er zwei Jahre in der Schweiz im Tagebau tätig war, täglich 35km mit dem Rad zurückzulegen. Dabei war er nicht nur auf der Ebene unterwegs; Ende der 60er/Anfang der 70er war es üblich querfeldein zu fahren. Durch den Bach, über Schotter, über Wiesen und Asphalt, alles mit dem Rennrad. Diese Form des Radsports ist heute nicht mehr weit verbreitet, aber Siegfried Jaritz praktiziert es immer noch so.
Im Gegensatz zu Teamsportarten wie Fußball, habe so ein Radrennen auch eine ästhetische Komponente, die ihm als Zuschauer gefalle. Diesen Hummelflug zu verfolgen, wie die hochtrainierten Sportler mit 25km/h eine Bergwertung meistern, das setze einen Adrenalinstoß frei. Dieses hohe Tempo, dem eine ungeheure Kraft zugrunde liegt, das passe zu seinem Charakter, meint er.
Das Radrennen in Judendorf ist für ihn ein kulturelles Event nach seinem Geschmack. Im Begleitfahrzeug fährt er stets eine Runde mit und genießt das internationale Flair.
Raus aus Österreich, das wäre auch ein persönlicher Traum des Firmenchefs. Eine Woche Zeit, um mit dem Rad die Toskana oder Slowenien zu erkunden: „Dann wär auch der Bauch gleich wieder weg.“
Foto: (c) Stahlbau Jaritz
Text: Timna Pachner