23/07/2026
Rektusdiastase nach der Geburt (Rectusdiastase)
Die Rectusdiastase ist eine Erweichung, Dehnung und Schwächung der Linea alba (weiße Linie), des bindegewebigen Mittelstreifens zwischen den geraden Bauchmuskeln. Dadurch vergrößert sich der Abstand zwischen den beiden Muskelsträngen erheblich. Meist, jedoch nicht ausschließlich, entsteht dies infolge einer Schwangerschaft. Diese Trennung der Bauchwand beeinträchtigt ihre Stabilität und funktionelle Kraft erheblich und führt häufig zu einer Instabilität des Beckens sowie zu Rückenschmerzen.
Etwa 90 % aller Frauen sind während oder nach einer Schwangerschaft davon betroffen. Mit dem Wachstum des Babys nimmt der Druck auf die Bauchwand stetig zu, wodurch die Bauchmuskulatur gedehnt und geschwächt wird. Gleichzeitig führen der zunehmende Druck auf die Linea alba sowie die erhöhte Ausschüttung des Hormons Relaxin dazu, dass sich die geraden Bauchmuskeln entlang der Linea alba voneinander lösen – dies wird als Rectusdiastase bezeichnet.
Leider heilt diese Veränderung nach der Geburt nicht immer vollständig von selbst aus. Bei vielen Frauen bleibt die Trennung lebenslang bestehen, wenn keine gezielten Korrekturübungen durchgeführt werden. In schweren Fällen kann auch eine Operation notwendig sein, die jedoch in vielen Fällen nicht von der Krankenkasse übernommen wird.
Eine ausgeprägte Rectusdiastase kann mit der Zeit zu einer Instabilität der Lendenwirbelsäule, chronischen Kreuzschmerzen und in schweren Fällen sogar zu einem Bauchwandbruch (Hernie) führen – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Bei Männern entsteht sie selbstverständlich nicht durch eine Schwangerschaft, sondern beispielsweise durch intensives Krafttraining oder häufiges Heben und Tragen schwerer Lasten.
Eine größere Rectusdiastase kann bereits während der Schwangerschaft den Geburtsverlauf erschweren. Ist die Körpermitte (die tiefe Bauchmuskulatur) geschwächt, wird der Bauch stärker nach vorne gedrückt, wodurch sich die Beckenneigung und das Hohlkreuz verstärken. Deshalb wirkt der Bauch bei einer zweiten Schwangerschaft oft schon früh deutlich größer. Zudem kann sich der Kopf des Babys schlechter optimal im Becken einstellen. Da die Bauchmuskulatur weniger Kraft entwickeln kann, fällt das Pressen schwerer, wodurch die Geburt häufig länger dauert.
Eine Rectusdiastase tritt jedoch nicht nur bei Schwangeren auf. Sie kann sich auch infolge ungeeigneter Übungen, eines unausgewogenen Bauchmuskeltrainings oder einer unzureichenden Stabilität der Körpermitte entwickeln.
Die verschiedenen Bauchmuskeln erfüllen unterschiedliche, aber miteinander verbundene Aufgaben. Der gerade Bauchmuskel beugt den Oberkörper nach vorne und hilft im Stand, die inneren Organe sowie die Stellung von Rippen und Becken zu stabilisieren. Gemeinsam mit Gesäß- und hinterer Oberschenkelmuskulatur verhindert er ein übermäßiges Kippen des Beckens nach vorne und unterstützt die Lendenwirbelsäule.
Die schrägen Bauchmuskeln sind an der Beugung und Rotation des Oberkörpers beteiligt. Da sie mit der Linea alba verbunden sind, kann ihre Überlastung zusätzlichen Zug auf dieses Bindegewebe ausüben. Der quer verlaufende Bauchmuskel (Musculus transversus abdominis) spielt dagegen eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung der Körpermitte. Er unterstützt den Aufbau des intraabdominalen Drucks, stabilisiert Rumpf und Lendenwirbelsäule, erleichtert kräftiges Ausatmen sowie das Pressen während der Geburt und stabilisiert gleichzeitig die Linea alba.
Ob eine Rectusdiastase vorliegt, kann mit einem einfachen Selbsttest überprüft werden. Legen Sie sich auf den Rücken, stellen Sie die Füße auf und beugen Sie die Knie. Heben Sie anschließend Kopf und Schulterblätter leicht an, als wollten Sie einen Crunch ausführen. Legen Sie dabei die Finger ober- und unterhalb des Bauchnabels zwischen die beiden geraden Bauchmuskeln. Sinkt der Finger deutlich in eine Vertiefung ein, spricht dies für eine Trennung der Bauchmuskeln. Lassen sich zwei Finger oder mehr problemlos in den Spalt legen, sollte die Situation von einer qualifizierten Fachperson beurteilt werden. Bis dahin sollten alle Übungen vermieden werden, die den Druck auf die Bauchwand erhöhen oder die schrägen Bauchmuskeln stark beanspruchen, beispielsweise Sit-ups, Crunches oder Rumpfdrehungen.
Eine der wirksamsten Methoden zur Regeneration der Bauchwand ist ein speziell angepasstes Pilates-Training. Dabei ist entscheidend, dass die Übungen individuell auf eine Rectusdiastase abgestimmt sind, denn nicht jede Trainingsform ist dafür geeignet. In schwereren Fällen empfiehlt sich zusätzlich das Tragen eines speziellen Bauchwandstützgürtels. Dieser unterstützt die Bauchmuskulatur dabei, wieder in ihre anatomisch korrekte Position zu gelangen, und fördert so den Heilungsprozess.
Bei konsequentem und korrekt ausgeführtem Training kann sich eine Rectusdiastase deutlich verbessern oder vollständig zurückbilden. Dies geschieht jedoch nicht innerhalb weniger Tage. Je nach Ausmaß der Trennung und Trainingsintensität kann die Regeneration zwischen etwa sechs Wochen und eineinhalb Jahren dauern.
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