02/09/2021
Unser Athlet Marcus hat die 218Km des A.R.A.B. erfolgreich geschlagen.
Er schreib uns eine Zusammenfassung seines Erlebnisses, die wir mit euch gerne teilen möchten.
Wir gratulieren Marcus nochmals herzlich zu seiner Wahnsinns Leistung.
Die Vorzeichen zu meinem größten Laufabenteuer hätten besser sein können. Das Training wurde im Juni aufgrund einer Muskelverletzung stark angepasst und war sehr radlastig. NIE habe ich mich läuferisch so wenig auf meinen absolut längsten Lauf vorbereitet, daher war selbst bei mir Skepsis vorhanden ob ich das Ziel sehen werde, auch wenn die Vorbereitung zufriedenstellend verlaufen ist. Die Nächte davor hab ich nicht sehr gut geschlafen und auch am Tag davor hab ich mich zu 100% fit gefühlt. Am Tag des Wettkampfes war dann aber alles wie weggeblasen und ich habe mich topfit gefühlt. Die Crew war auch früher am Start wie geplant und so konnten in Ruhe die letzten Vorbereitungen getroffen werden. Mit 11° war es nicht allzu warm, trotzdem habe ich mich aber im letzten Moment für ein kurzes Leiberl mit Ärmlingen entschieden, was sich kurze Zeit später als goldrichtig erweisen sollte.
Um Punkt 7h war der Startschuss und los ging es ins Ungewisse. Auf den ersten 1,5km war ich im Pulk, es wurde ein wenig getratscht, aber die Pace von 6:30 war mir vieeel zu langsam und so habe ich mich an die Spitze gesetzt. Ein Läufer hat mich begleitet, der mich dann die ganze Zeit zugetextet hat. Ich habe mich nicht beirren lassen und lief meinen Part runter. Geplant war bis Breitenbrunn durchzulaufen und dann ein kurzes Bergaufstück zu gehen. Allerdings hab ich schon vom Start weg mein rechtes Knie bemerkt. Es hat etwas gedrückt und auch der linke Oberschenkel hat sich innen hinten etwas anders angefühlt. Es brauchte einen Halbmarathon bis ich endlich mein Wohlfühltempo gefunden habe. Bis Breitenbrunn lag dies bei 5:43 am KM. Dann kam die kurze Steigung und weiter lief es. Es war sonnig und warm, daher habe ich entschieden sicherheitshalber eine Kappe aufzusetzen (man lernt aus Fehlern…)Bis zum ersten Checkpoint Eisenstadt bei KM54 (ganz kurzer Stop) lief ich locker eine Pace von 6:00 und hatte einen Vorsprung von 5 Minuten. Seit einigen KM lief ich alleine. Durch Eisenstadt war es ein wenig mühsam, Verkehr, Gestank, Ampeln, usw. und erst danach fand ich wieder einen schönen Rhythmus. Bei KM70 war eine größere Pause angesagt. Ich habe mich erstmals hingesetzt und meine Crew hat mich versorgt. Schmieren, essen, massieren, Schuhwechsel und zu meiner großen Freude war auch die Oma auf diesem Parkplatz und ich konnte in der circa 15 minütigen Pause ein paar Worte mit ihr reden. Während dieser Pause lief auch der spätere Sieger an mir vorbei. Nun ging es auf den Sieggrabener Berg. Das erste längere Gehstück und gleichzeitig auch ideal zur Nahrungsaufnahme. Oben angekommen traf ich wieder den Führenden und auch Oma war noch einmal da und feuerte mich an. Meine Crew hat mich wie immer bestens versorgt und ab ging es dem Führenden hinter her. Aber trotzdem in meinem Tempo, da kam mir der Bergabteil zu Gute. Wir haben dann ein wenig getratscht und dann bog er zu einer Pause ab und ich lief bis KM100 wieder alleine an der Spitze. Natürlich eine schöne Momentaufnahme wenn man 87km an der Spitze laufen kann, aber es war für mich von vornherein klar, dass ich auf der zweiten Hälfte mehr nachlassen werde, wie die mehrfach erprobten Ultraläufer. Für mich war von vornherein klar, dass das Durchkommen mein Ziel ist, Platzierung mehr als nebensächlich!
Bei KM102 hatte ich dann meine ersten kleineren Kreislaufschwierigkeiten, welche meine Crew in Sekundenschnelle wegzauberte und wenige Minuten später waren wir bei Checkpoint 2 in Oberpullendorf bei KM104 (11Minuten Rückstand als Zweiter). Pace war bis dahin 6:20 inklusive der Pausen. Ich dachte, dass nun für mich das Rennen neu beginnt (Nacht und Höhenmeter), doch es hat ein weiteres Mal neu begonnen, aber zu dem später. Die zweite längere Pause eigentlich gleich nach dem Checkpoint, allerdings einen Anstieg später, war zwar nicht geplant, aber umso erholsamer. Ich durfte eingewickelt in eine Decke am Feldbett im Bus liegen und wurde massiert und versorgt. Nach 15 Minuten ging es wieder weiter. Natürlich benötigt man hier ein paar Meter um wieder ins richtige Laufen reinzukommen und vor allem hat man dann einige Minuten mit der Kälte zu kämpfen, aber man fühlt sich viel besser danach und die Minuten sind gut investiert. Allerdings hat meine Crew mittlerweile alle Hände voll zu tun mir Nahrung reinzustopfen. Ich wollte NICHTS mehr, aber ein Vorbeikommen an der Crew ohne Essen gab es sowieso nicht…und plötzlich gab es neben meinem altbewährten Essenskonzept auch eine Schinkensemmel, getrocknete Cranberries, Rosinen, Datteln, Erdnüsse, Orangen, Buttermilch mit Honig, Suppe und ich glaub noch einiges mehr. Getrunken hab ich zu dieser Zeit vorwiegend Cola, an welches ich nicht gedacht hätte, weil ich Wasser und auch mein Iso nicht mehr sehen konnte. An viel kann ich mich in der Nacht nicht so wirklich erinnern, außer dass es kalt war, ich versucht habe meinen Speed trotz Höhenmeter halbwegs bei zu behalten. Die Autofahrer sind einfach nur wahnsinnig, Nacktschnecken unter dem Schuh sind verdammt rutschig (es gab so viele am Straßenrand). Der nächste Checkpoint bei KM154 war Kohfidisch. Hier gab es ein wenig mehr Auswahl, aber auf Frankfurter oder Nudelsuppe hatte ich keinen Gusto und 6km später wartet unsere nächste größere Pause, also bin ich hier relativ schnell wieder weiter. Bei KM160 eben die nächste Pause. Hier hat uns eine Arbeitskollegin, so gut es halt mitten in der Nacht möglich ist, mit Essen und Trinken versorgt. Nun hatte ich zusätzlich Soda Zitrone im Angebot und Lattella Erdbeer. Nach dieser Pause haben dann immer mehr auf mich aufgeschlossen und es gab ab und zu die Möglichkeit mit anderen Teilnehmern ein wenig zu tratschen, aber prinzipiell war jeder in seinem Tempo unterwegs. Es gab in der Nacht mehrere Tiefs, Hoch kam dann eigentlich kein Nennenswertes mehr, nur, dass die Crew versucht hat mir kcal reinzudrücken, egal wie. Kurz vor Sonnenaufgang konnte ich eine „Schlafpause“ mit meiner Crew ausverhandeln. 10 Minuten wollte ich, weil mir beim Laufen teilweise die Augen zugefallen sind, aber in den 8 Minuten hab ich eh nichts geschlafen…in Güssing hab ich dann relativ schnell vom warmen Langarmshirt auf ein kurzärmeliges Laufshirt gewechselt, da es recht schnell warm wurde. Es ist kaum zu glauben wie schwierig es ist nach so langer Distanz den Fuß zu heben um auf einen Gehsteig raufzukommen. Da hätte ich es vielleicht handhaben müssen wie andere Läufer die auf der Straße blieben. Mir jedoch ging der Straßenverkehr sehr auf die Nerven, daher bin ich so gut es ging auf Begleitwegen und am Gehsteig gelaufen, auch wenn ich dann nur mehr mit Schwung mein Bein in die Höhe brachte. Auch kaum merkbare Steigungen wurden zu Bergen…Mit großer Sehnsucht hab ich Jennersdorf und somit den letzten Checkpoint erwartet. Bis hierhin zu kommen, war für mich schon ein großer Erfolg, schließlich zeigte die Uhr 199km. Auch hier hielten wir uns ein wenig auf, eine Salzkartoffel war ein Festschmaus, lediglich die Getränke brachte ich wieder nicht in den Maßen runter wie ich es mir erwartet hätte. Ein langjähriger Teilnehmer hat mir vor dem Lauf weisgemacht, dass es hier so richtig beginnt…ich wollte mich überraschen lassen und ich habe ihn mit jedem Schritt besser verstanden. Die Sonne hat runtergebrennt (dabei hatte es vl. 20°) ich musste meinen Kopf ständig kühlen und auch Wasser lief wieder ein wenig besser die Kehle runter. Läppische 350hm sind es von Jennersdorf nach Kalch und 20km. Was dies aber nach fast 200km anrichten kann habe ich am eigenen Leib verspüren müssen. Es gab nur mehr ein Tempo, nämlich mein Finishertempo! Egal ob bergauf, bergab oder in der Ebene, der Schritt wurde einfach nicht größer. Aber auch kleinere Schritte verringern die Distanz zum Ziel und aufgeben ist jetzt keine Option mehr. Eigenartigerweise wusste ich bei KM125, dass ich finishen werde. Meine Crew hatte immer eine Lösung parat, für jedes Problem! Es ist nur eine Frage der Endzeit und diese wuchs durch den nicht enden wollenden 20km-Schluss noch einiges an. 6km vor dem Ziel, und ich glaube ich habe noch 1h gebraucht, kam heftiger Wind auf es gewitterte und regnete auf einmal. Hab ich vorher wie ein Rohrspatz über die Hitze geschimpft, war es mit einem Schlag so richtig kühl. Ich habe mir aber nur meine dünne Regenjacke übergeworfen und wollte nur mehr ins Ziel. Auf die letzten KM war dann auch die Crew nicht mehr so streng mit der Nahrungsaufnahme und ich „lief“ teilweise an ihnen vorbei! Wahnsinn wie lange 700m sein können, die noch durch den Ort zu laufen sind. Plärrend lief ich durchs Ziel und da hatte ich dann plötzlich sofort Lust auf ein Salamibrot mit Käse ;-).
Fazit:
• der Kopf ist stärker wie der Körper, merkt man speziell am Tag danach
• ohne der PROFI-Crew keine Zielankunft
• ohne Trainerin und Physio keine derartige körperliche Verfassung
• einmal reicht um dies auszuprobieren, Wiederholung nicht geplant
• 5ter Platz, aber absolute Nebensache