22/01/2021
Für alle, die mit dem Schneeschuhwandern erst beginnen, ist dieser Bericht unbedingt zu empfehlen. Unsere Guides geben Hintergrund Info zur Tourenplanung.
Und damit wünschen wir euch mit dem Neuschnee in unseren Bergen viele schöne und sichere Touren!
Heute haben wir für euch einen kleinen Erfahrungsbericht von unseren Guides, Barbara Wiegele und Jörg Schmöe zum Thema „sicher durch den Winter“. Sie waren vor kurzem am Geierkogel, am nördlichen Rand der Saualpe, unterwegs und haben sich den scheinbar einfachen Berg mal genauer unter die Lupe genommen.
Denn aufgepasst, nicht alles, was einfach scheint ist auch einfach! Im Winter bedarf es im Vorfeld einer speziellen Tourenplanung. Nicht nur in Tourenforen schmökern, Berg aussuchen und los.
Zuerst die Wetterlage für den Tag und die vorherigen Schneemengen checken. Dann die Lawinengefahrenprognose für die Region genau lesen und Gefahrenstellen erfassen. Dann auf der Karte den Tourenverlauf festlegen und vor allem die Hangneigungen genau ansehen. Dabei sind Wildruhezonen und - sofern bekannt auch Wildeinstandsgebiete und Fütterungsstellen - zu meiden.
Die gleiche Aufmerksamkeit gilt vor Ort. Je nach Lawinengefahrenstufe ist ein permanentes Abchecken der Route und der beinflussenden Hänge und ihrer Neigungen notwendig, um beurteilen zu können, ob wir uns noch in einem möglichst risikoarmen Bereich bewegen. Im Zweifelsfall drehen wir auch schon mal um!
Es gibt 5 Lawinengefahrenstufen: 1 (gering), 2 (mäßig), 3 (erheblich), 4 (groß), 5 (sehr groß)
Die Zahlen auszusprechen haben wir uns abgewöhnt. Denn "Lawinengefahrenstufe 3" klingt sympathischer als "erhebliche Lawinengefahr". In der Schule ist es doch auch so, ein "3er", na das ist doch noch halbwegs gut...
Doch bei dieser Stufe "erheblich" passieren leider die meisten Unfälle. Warum, tja, meist ist die Situation die, dass nach prächtigem Schneefall mit viel Wind und darauf folgendem Kaiserwetter alle raus stürmen. Der Neuschnee wurde mit Wind zu Triebschnee, hat sich auf die Altschneedecke gelegt und es ist noch zu keiner festen Verbindung zwischen den Schneeschichten gekommen. Es gibt eine Art Gleitschicht, die bei Zusatzbelastung auf die obere Schneedecke ab einer gewissen Hangneigung rissig werden und abrutschen kann.
Steile Hänge (davon spricht man ab einer Steilheit von 30 Grad) sollten in jedem Fall genau betrachtet werden. In den digitalen Karten sind kleine "Geländeschnapper" nicht unbedingt ersichtlich. Die kann man nur vor Ort sehen. Selbst im Wald ist Vorsicht geboten, wenn rechts oder links neben uns die Hänge steil sind.
Und je höher die Gefahrenstufe, umso weitere Gebiete müssen wir in unsere Gefahrenbeurteilung einbeziehen - bei erheblicher Lawinengefahr sollten wir unsere mögliche Auswirkung auf die Schneedecke nicht nur im Bereich unserer Spur bedenken, sondern eventuell sogar auf Schwachstellen im gesamten Hang.
Was war also beim Geierkogel zu beobachten?
Das Klippitztörl ist bei Schneeschuhwanderern ein beliebtes Gebiet. Aufgrund seiner Lage an der Landesgrenze ist es doch weniger frequentiert wie Modetouren im Zentralraum. Die Tour ist kurz und technisch einfach und führt entlang des Sommerwanderweges - ist also gut bekannt. Für einen Wochentag war einiges los und die Spur bereits breit ausgetreten. Das vermittelt ein Gefühl von Sicherheit.
Unsere Guides vermuten, dass die angetroffenen Schneeschuhwanderer keine Lawinenverschüttetensuchausrüstung (Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde) dabei hatten. Diese Technik ist bei uns immer mit im Rucksack - eine Standardmaßnahme so wie das Gurt Anlegen im Auto.
Denn da schau, auch bei diesem lieblichen Geierkogel gibt es beim Gipfelaufschwung ein kleines, aber steiles Geländestück, welches bei instabiler Schneedecke eine Gefahr sein könnte. Ebenso sind auf dem Rückweg durch diesen traumhaft verzauberten Waldpfad einige Hangpassagen oberhalb des Weges steil.
Was wir euch damit mitgeben wollen ist, dass ihr eure Routen achtsam plant und umsetzt.
Wen das Thema "Sicher am Berg im Winter" interessiert, kann bei uns, unseren Bergführerkollegen und den alpinen Vereinen mehr darüber erfahren. Und hier gibt es ein interessantes Lehrvideo des ÖAV dazu:
https://youtu.be/_9pd6lbFZ9Q
Und damit wünschen wir euch allzeit gute und sichere Naturerlebnisse am Berg.
Euer Team der Kärntner Bergwanderführer,
mit denen ihr drinnen und draußen bestens begleitet seid.
https://www.bergwanderfuehrer-kaernten.at