12/08/2019
Ein interessanter Ansatz - was meint ihr dazu?
Hier mein Artikel aus dem VM... den unzensierten Text gibt es natürlich hier 😜
Sonntag 7.7.2019, 14 Uhr: 1,31 Millionen Menschen schauen das WM Finale in der ARD. 13.000 Zuschauer im Stadion feiern unsere Underdogs Clemens Wickler und Julius Thole frenetisch. Dazu kommen etliche Tausend vor den Toren des Eventgeländes und in Streams und TV Kanälen. Dies geschieht an einem Sommersonntag, der in fast ganz Deutschland mit bestem Wetter gesegnet ist. Beachvolleyball in aller Munde, sollte man denken. Heute, am Donnerstag den 11.7. sitze ich mehr schlecht als recht mit meinem Gipsarm vor dem PC und schreibe diesen Artikel. Aus Recherchegründen gebe ich bei Google „Thole/Wickler“ ein. Der letzte Artikel, der mir unter „News“ angezeigt wird, ist vom 8.7. und somit innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Silbercoup erschienen. Julius und Clemens haben extra das 5* Turnier in Gstaad, welches eines der drei wichtigsten der Saison ist, abgesagt. Nicht ausschließlich, weil der Spannungsabfall nach der Medaille und die Erschöpfung nach einem intensiven Turnier zu groß sind. Auch, weil sie sich der Öffentlichkeit stellen. Termine im Rathaus etc. wahrnehmen. Stark Jungs! Frisch gebackene Vizeweltmeister nehmen sich ganz bewusst die Zeit um sich bzw. das Team und den Sport ins rechte Licht zu rücken. Ins Rampenlicht? Anscheinend nicht. Dieses scheint seit 2-3 Tagen erloschen. Undankbar. Fast schon demütigend.
Das traurige Schicksal, von dem alle Randsportarten neben König Fußball ein Lied singen können.
Stellt sich die Frage: Was muss geschehen, um Beachvolleyball dauerhaft in den Schlagzeilen zu halten? Schwieriges Frage, auf die bisher nachweislich keine Antwort gefunden wurde. Eines ist klar: Der Fußball regiert und kontrolliert die Medien und die Berichterstattungen. Kommt man dagegen an? Nein! Wird sich das zeitnah ändern? Wohl kaum!
Es ist schön, dass wir in RanSport bzw. in ProSieben Maxx einen Multiplikator für die Techniker Beach Tour gefunden haben. Es ist ebenfalls schön, dass jeder Zuschauer der ein Beachvolleyballevent verlässt, sich gut unterhalten fühlt und das Event auf Nachfrage definitiv weiterempfehlen wird. 2 Hauptgründe, warum im Jahr 2018 2,56 Millionen Menschen angegeben haben, sich „ganz besonders für Beachvolleyball zu interessieren“.
Knapp 20 % mehr, als noch in 2014. Gute Entwicklung, aber warum ist das Wachstum nicht immens größer? Beachvolleyballinteressierte spielen in Punkto Kaufkraft in einer Liga mit Tennis- und Segelinteressierten, sind gleichzeitig aber deutlich jünger. Wo informieren sich junge Menschen heutzutage über ihre Hobbys bzw. welche Medien haben den größten Einfluss auf die jungen Generationen? Die Sozialen Kanäle. Mir fällt gerade auf, dass es völlig bescheuert von mir ist, diesen Artikel für das Volleyball Magazin zu verfassen. Ich hoffe er wird trotzdem abgedruckt.
Mein Ansatz: Wir werden die Aktuelle Interessenverteilung im Sport nicht ändern können. Wir können uns als Sportart Beachvolleyball lediglich für die neue Zielgruppe interessant machen. Eine Zielgruppe, die kein TV mehr schaut, die sich auf soziale Medien über aktuelle Geschehnisse informiert und die für den Umweltschutz jeden Freitag auf die Strasse geht! Reflektierte junge Menschen, mit hoher sozialer Kompetenz. Die anderen dieser neuen Generation landen aus bekannten Gründen eh beim Fußball. Gleich und gleich gesellt sich schließlich gern! Wie fangen wir diese Generation also ein? Die Sportart ist interessant genug. Attraktiv, fair, outdoor, Urlaubsgefühl, ästhetisch (außer bei mir) usw. Aber haben wir Idole? Haben wir Spieler und Sportler für die es sich lohnt, seine Interessen an den Strand zu verlegen? Das Instagram Profil von Thole/Wickler hatte in der Woche nach der WM 52.000 Aufrufe. Follower haben sie 12.000! Eine Zahl, die in Anbetracht ihrer gezeigten Leistungen einfach nur peinlich ist. Kann man es den Besuchern der Seite verübeln? Nein! Warum nicht? Sie kriegen dort keine Story erzählt. Sie kriegen keine näheren Infos zu ihren Idolen! Sie kriegen Ergebnisberichte und 1-2 Jubelfotos mit Danksagungen. Keinem neuen Volleyballfan kann man es verübeln, dass er sich nicht mit den Jungs connectet bzw. ihren Weg weiter verfolgt. Den Volleyballinteressenten kann man es jedoch sehr wohl übel nehmen. Warum? Weil wir, die 2,56 Millionen in Deutschland zusammenhalten müssen. Jeder Beachvolleyballinteressierte sollte allen Lieblingsspielern und Nationalteams auf den sozialen Kanälen folgen und ihn unterstützen. Jeder einzelne muss seinen Beitrag dazu leisten, dass die Sportart größer wird. Der Fan muss 10 Klicks auf seinem Smartphone machen, der Athlet muss bereit sein, sich als Sportler zu öffnen und die tollen Züge der eigenen Persönlichkeit und des Sports herauszustellen und der Verband muss Charakterzüge der Spieler zulassen. Mainstream und Einheitsbrei wird in der heutigen Gesellschaft nicht mehr nachgefragt. Das ist die traurige Wahrheit! Die Sportart muss aus sich wachsen. Aus der Intelligenz einer Sportart, deren Interessierte zu 90 % Abitur haben. Jeder einzelne trägt eine kleine Verantwortung für die Entwicklung dieses Sports mit sich. Wenn sich jeder dieser Verantwortung bewusst ist, wird der Sport seinen Weg machen. Warum? Weil dieser Sport mehr mitbringt als viele andere! Dessen bin ich mir sicher und deshalb werde ich den Kampf und den Glauben auch nie aufgeben. Versprochen ;)