19/05/2026
Ende April. Bad Hersfeld, Am Lax. Ich war acht Jahre alt.
Ich kam von einem Geburtstag, zu dem ich nicht gehörte. Geschenk noch unter dem Arm. Klopfendes Herz. „Du bist nicht eingeladen", hatte das Mädchen in der Tür gesagt.
Oma tröstete mich. Dann ging ich zu Opa Oskar.
Er saß auf seiner Bank vor dem Gartenhäuschen. Es roch nach geschnittenem Gras. Aus dem Schlippental surrte eine Kreissäge.
Opa fragte mich, warum ich traurig sei. Ich erzählte. Und er begann zu erzählen.
Flüsterleise. Von seinem schönsten Geburtstag. Und nach einer Pause: von seinem leisesten.
„Mein leisester Geburtstag", sagte er, „war der, an dem ich endlich aufhörte, mir zu wünschen, jemand anderes zu sein."
Ich war zu klein, um das zu verstehen. Aber ich erinnere mich an den Rauch seiner Pfeife. An den Wind, der von den Feldern kam.
Mit acht Jahren lernte ich:
Manche Tage beginnen erst, wenn der Lärm aufhört.
Stille ist kein Mangel — sie ist ein Geschenk.
Anderssein ist nicht falsch. Es ist der Anfang vom Echtsein.
Mein Opa wuchs in einem nordböhmischen Dorf der 1920er Jahre auf — genau dort, wo unsere Geschichte spielt. Er kannte den Sommer, der nach Lindenblüten und heißem Staub riecht. Und er kannte den Wind, der nur kommt, wenn jemand still genug ist.
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Von Opa Oskar zu mir. Von mir zu dir. Von dir zu deinem Kind.
Danke, Opa. Für alles.