18/07/2026
Einmal daneben, einmal gejubelt – eine Saison, die nach zwei Trophäen griff 🖤🤍
Sieben Tage. Mehr lag nicht zwischen dem bittersten und dem schönsten Nachmittag dieser Saison. Erst verspielte der VfB im eigenen Stadion die Meisterschaft, dann holte er auf demselben Rasen den Kreispokal. Näher können Schmerz und Jubel kaum beieinanderliegen, und genau dazwischen liegt die Geschichte dieser Spielzeit.
Begonnen hatte sie mit einem Abend, wie man ihn sich am Turnerheim nicht schöner ausmalen kann. Hochsommer, Derby gegen Lok Schleife, über 400 Zuschauer und ein 5:2, das Lust auf alles Weitere machte. Die Ernüchterung folgte eine Woche später in Neueibau, wo ein 1:3 die Frage aufwarf, wie viel dieser Auftakt wert gewesen war. Die Antwort fiel eindeutig aus, sie brauchte nur ihre Zeit. Auf den 6:0-Erfolg gegen Ostritz folgten eine bittere Niederlage bei den Seer Wölfen und ein wildes 4:4 gegen Lok Zittau, kurioserweise exakt das Ergebnis, mit dem sich beide Teams später auch im Rückspiel trennen sollten. Erst die Kantersiege in Friedersdorf und Gebelzig zeigten dann, was in dieser Offensive steckt. Der VfB dieser Wochen konnte an einem Samstag glänzen und am nächsten straucheln, doch eines konnte er immer. Treffen. Nach dem ersten Saisondrittel hatte kein Team der Liga mehr Tore erzielt. Vorne fiel fast immer ein Tor. Hinten leider auch.
In der Tabelle brauchte der Weg nach oben länger als im Torverhältnis. Von Platz acht nach dem zweiten Spieltag arbeitete sich die Mannschaft Woche für Woche voran, bis sie am Nikolaus-Samstag im Derby in Schleife erstmals die Tabellenspitze erklomm. Und dort oben blieb sie. Durch den Winter, durch die komplette Rückrunde, zwölf Spieltage lang, bis in die zweite Halbzeit des allerletzten Spiels.
Angeführt wurde dieser Lauf vom Kapitän persönlich. Ein Fünferpack gegen Gebelzig, ein Hattrick in Niesky, für den Axel Buder keine Halbzeit brauchte, dazu Freistöße, die sich längst herumgesprochen hatten und trotzdem einschlugen. 31 Ligatore standen am Ende hinter seinem Namen, mehr als hinter jedem anderen, und die Torjägerkrone ging zum dritten Mal an ihn. Er war dabei nicht der einzige Weißwasseraner, vor dem sich die Abwehrreihen fürchteten. Nico Lukschanderl schnürte gegen Ostritz und in Friedersdorf je einen Dreierpack und stand im Herbst zwischenzeitlich selbst ganz oben in der Torjägerliste.
Im Pokal gehörte die Hauptrolle einem anderen. Julius Richter, in der Vorsaison noch B-Junior, wuchs in diesem Wettbewerb über sich hinaus. In der ersten Runde traf er praktisch mit dem Schlusspfiff, in Jänkendorf legte er beim 17:2 sechs Tore nach, im Verlängerungskrimi gegen Großschweidnitz entschied er die Partie fast im Alleingang. Sechs Runden, sechs Spiele, in jedem einzelnen mindestens ein Treffer, am Ende 13 Pokaltore und kein anderer Spieler des Wettbewerbs auch nur in der Nähe.
So kam der letzte Spieltag, und mit ihm die einfachste Rechnung des Jahres. Ein Remis im eigenen Wohnzimmer, mehr brauchte es nicht zur Meisterschaft. Luis Zach traf zum 1:0, und eine Halbzeit lang stand die Schale so gut wie im Turnerheim. Dann kam Lawalde aus der Kabine und räumte den gedeckten Tisch wieder ab. Aus dem 1:0 wurde ein 1:4, zur selben Zeit zog Neueibau in Großschweidnitz davon, und was über 25 Spieltage gewachsen war, verglühte in einer Dreiviertelstunde. 58 Punkte hier, 58 Punkte dort, sechs Tore Tordifferenz. In der Offensive war der VfB die beste Mannschaft der Liga, den Titel kostete ihn die eigene Hälfte.
Wer allerdings nur auf diesen Nachmittag schaut, wird dieser Mannschaft nicht gerecht. 88 Saisontore hat ihr in dieser Liga niemand nachgemacht, und ein Vizemeistertitel ist keine Niederlage, auch wenn er sich in der ersten Woche so angefühlt hat. Vor allem aber war da noch ein Spiel.
Ausgerechnet gegen die Seer Wölfe, die einzige Mannschaft, die den VfB in dieser Saison zweimal geschlagen hatte. Im Hinspiel setzte es ein 2:4, im Rückrundenkracher am Turnerheim ein 4:5, weil unsere Männer eine Führung in der Nachspielzeit noch hergaben. Zwei Duelle, null Punkte, und nun das Finale als dritte und letzte Gelegenheit, diese Rechnung zu begleichen.
Es wurde ein Nachmittag, den so schnell keiner vergisst, der dabei war. Hitze, die vier Trinkpausen nötig machte, weit über 450 Zuschauer, und ein VfB, der laut Auslosung als Gastmannschaft antrat, im eigenen Stadion, so schräg sich das anfühlte. Nach dem Doppelpack von Nico Lukschanderl und einer Roten Karte gegen die Gäste hielt der VfB alles in der Hand. Bis die Wölfe zu zehnt ausglichen und aus dem sicher geglaubten Finale eine Zitterpartie machten. Sieben Tage nach Lawalde stand der VfB wieder an dem Punkt, an dem ihm ein Titel zu entgleiten drohte.
Diesmal nicht. In der 89. Minute kam Julius Richter ins Spiel, und in der vierten Minute der Nachspielzeit schlug er zu. Fünf Minuten auf dem Platz, ein Ballkontakt im richtigen Moment, der Siegtreffer. Wer sonst. Unser Mister Pokal. Die Trophäe blieb in Weißwasser, geholt mit dem letzten Angriff der Saison, und mit ihr war auch die Rechnung mit den Wölfen beglichen.
Was bleibt, ist eine Spielzeit, in der zwei Weißwasseraner die Torjägerlisten anführten, einer in der Liga und einer im Pokal. Eine Trophäe steht jetzt im Turnerheim, eine zweite fehlte um sechs Tore. Und am Ende steht der Aufstieg in die Sachsenklasse Ost, weil Meister Neueibau verzichtete.
Diese Saison gehört aber nicht nur den Elf auf dem Platz. Sie gehört dem Vorstand, den Trainern und Betreuern, den Helfern, die an den Wochenenden vor allen anderen da sind und nach allen anderen gehen, den Sponsoren und allen, die den Weg zu den Spielen gefunden haben. Ihr wart da, als es lief, und ihr wart da, als es wehtat. Ohne euch findet keiner dieser Nachmittage statt.
Jetzt geht es eine Liga höher weiter, und wie schnell einem dort die Luft ausgehen kann, hat Gelb-Weiß Görlitz vorgeführt. Die Görlitzer stiegen vor einem Jahr unter exakt denselben Vorzeichen auf, Platz zwei, punktgleich mit dem Meister, sechs Tore schlechter, und mussten nach einer Saison wieder runter. Machen unsere Männer es besser?
Und dann ist da noch ein Spiel, wie es Weißwasser lange nicht erlebt hat. Der VfB steht im Wernesgrüner Sachsenpokal, und die Auslosung meinte es gut mit uns. In der zweiten Runde kommt der FC Erzgebirge Aue ins Turnerheim. Ein Gegner aus der Regionalliga, ein Name, der hier lange nachhallen wird.
Was unsere Mannschaft eine Liga höher kann, weiß heute niemand. Auch am Turnerheim nicht. Herausfinden werden wir es gemeinsam. 🖤🤍