03/12/2025
Warum Kinder Zeit brauchen. 🐴🫶🏼
In die Pferdewelt hineinzuwachsen braucht Zeit. Und genau diese Zeit entscheidet später über Sicherheit, Gefühl und echte Pferdeliebe. Viele Kinder wollen reiten und viele Eltern hoffen, dass es „bald richtig klappt“. Genau da lohnt sich ein kurzer Perspektivwechsel:
Reiten ist kein Knopf, den man einschaltet, sondern ein Lernweg. Kinder brauchen Zeit, weil sie nicht einfach nur Bewegungen nachmachen, sondern ein lebendiges Wesen verstehen und ihren eigenen Körper dafür sortieren müssen. Lernen verläuft bei Kindern nie geradeaus. Es ist völlig normal, dass etwas heute gut geht und nächste Woche wieder wackelig wirkt. Das ist kein Rückschritt, sondern Entwicklung. Gehirn und Körper bauen neue Verbindungen auf, probieren, verwerfen, speichern. Schritt für Schritt.
Dazu kommt, dass Reiten für Kinder echtes Multitasking ist. Sie sollen gleichzeitig die Zügel verstehen, ihre Körperhaltung halten, das Gleichgewicht finden, mit dem Sitz mitgehen, die Richtung spüren, das Tempo fühlen und dabei noch merken, was das Pferd ihnen gerade zeigt. Das sind viele kleine Bausteine auf einmal. Wie soll das sicher funktionieren, wenn nichts davon schon automatisiert ist? Kinder können diese Dinge nicht alle gleichzeitig stabil steuern, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil ihr Körper und ihr Kopf dafür Zeit brauchen.
Ich sehe außerdem, wie viel Grundwissen noch reifen muss. Kinder vergessen trotz mehrmaligen Erinnern immer wieder, beim Gehen einen großen Bogen um den Pferdepo zu machen. Nicht weil sie nicht zuhören, sondern weil Sicherheitsabläufe in diesem Alter noch nicht zuverlässig gespeichert werden. Und wenn schon solche wichtigen Regeln am Boden noch wackeln, wie soll es dann im Sattel aussehen, wo noch viel mehr gleichzeitig passiert?
Wenn wir Kindern diese Zeit geben, entsteht etwas Wertvolles. Sicherheit, Gefühl, Vertrauen und eine klare Basis im Umgang mit dem Pferd. Und aus dieser Basis wächst später feines Reiten, ruhig, fair und ohne Druck. Genau deswegen ist „langsam lernen dürfen“ kein Umweg, sondern der beste Weg.
Vielleicht müssen wir als Erwachsene auch lernen, Kindern diese Zeit wirklich zu geben. Genau das ist das Besondere an der Reitpädagogik. Schritt für Schritt zum Pferdefreund werden und erst später, wenn die Basics sitzen, der Übergang ins „richtige“ Reiten. Nicht schneller, sondern stabiler. Nicht früher, sondern fairer für Kind und Pferd.
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