21/03/2025
Leider absolut wahr und viel zu häufig vertreten! Und wenn sich diese Leute hilfe suchen, dann welche, die genau deren Ansicht ist, alle anderen haben keine Ahnung! Zum umdenken sind leider nur sehr wenige bereit!
Das kann ich doch alleine
Eine der größten Lügen des Reiters lautet: “Das kann ich selbst machen.” Damit meinen sie so ziemlich alles. Mal eben ein Pferd anreiten, ihm das Kutschefahren beizubringen, aber auch einen Offenstall zu bauen, eine Weide zu bearbeiten, damit da nachher Pferde drauf können oder ein Hufgeschwür behandeln. Das Ding ist halt - ja, das können manche. Auch ohne eine Ausbildung in dem Bereich, weil sie es einfach gelernt haben und entsprechende Erfahrungen vorweisen können. Andere können es, weil sie medizinisch, landwirtschaftlich oder reiterlich entsprechend geschult sind. Ob da am Ende ein Zeugnis bei herumkam, ist bei Erfahrung dann relativ. Nur muss man dann seine Fähigkeiten realistisch einschätzen. Und darin sind Reiter sehr schlecht. Schon mal auf nem Dreijährigen gesessen? Na, dann kann man problemlos jedes Pferd anreiten. Mal an ner Kutsche vorbeigelaufen? Kein Problem, jetzt kann ich Pferde einfahren. Seltsamerweise will nie jemand ne Chip-OP oder ne Arthroskopie selber machen. Aber hey - das ist immerhin gut!
Reiter sind also der Meinung, dass sie ganz viel alleine können. Das sieht man grundsätzlich gerne beim Pferdekauf. Ein junges Pferd oder ein verrittenes Pferd für nen schmalen Taler? Ja, kein Problem, das biegen wir uns hin. Das böse Erwachen kommt dann, wenn der Reiter merkt, dass er mit seinem Latein am Ende ist und eigentlich DOCH kein Pferd anreiten oder Korrektur reiten kann. Vielleicht merken sie auch gar nicht, dass sie das Problem sind und schieben es auf den Zossen. Der ist unreitbar, unbelehrbar und gemeingefährlich. Und allergisch auf Tipps sind sie erst recht. Zum Reitunterricht wollen die mich schicken? Was wie? Welch’ Majestätsbeleidigung. Bloß nicht lernen, dagegen haben sie was. Dass es aber mit dem Wissensstand, der hier gerade zur Schau getragen wird, absolut nötig ist? Egal. Selbsteinschätzung ist besser. Egal wie falsch sie dann ist …
So geht es nahtlos weiter. Manche raspeln dann selbst an den Hufen rum. Ohne irgendeine Qualifikation. Nicht mal den Wochenendkurs haben sie besucht, sie haben gut zugeschaut und vielleicht hat ihnen auch mal jemand gesagt (böse!), da kannst du selber bisschen dran arbeiten, guck mal hin. Der Hufbearbeiter schlägt die Hände überm Kopf zusammen und muss das dann ausbügeln. Am Ende ist er der Doofe, denn das Pferd läuft nicht mehr. Werden unsere “Selbermacher” überall rumerzählen. Bloß nicht Hufschmied oder Hufbearbeiter XY holen, der macht das Pony lahm. Glückwunsch. Und warum ist das so gewesen? Na, kein Wunder, unsere Selbermacher werden es nicht verraten. Schließlich sind sie echte Tausendsassas und können so was. Ganz alleine. Sind schließlich schon groß.
Dabei ist es ja nicht so, als könnte man nicht wirklich Dinge rund ums Pferd erlernen. Nur muss man es dann auch von den richtigen Leuten lernen und das auch intensiv und nachhaltig. Trotzdem muss uns klar sein, dass wir immer mal wieder an einen Punkt kommen werden, wo unser Wissen endet und das Fachwissen eines anderen beginnt. Und wenn das Pferd dieses Fachwissen braucht, sollten wir tunlichst einen Schritt zurücktreten und jemanden ranlassen, der etwas davon versteht. Denn niemand kann alles alleine. Leider denken viele, sie könnten es doch. Und wer leidet darunter? Das Pferd.
Foto: Kann alles alleine. Was so ein Pferd halt können sollte.