09/08/2019
Wie man auf dem Bild sehen kann, habe ich Spaß in den Bergen. Kein Wunder, sind die Trais doch perfekt, der Himmel blau, die Wiesen saftig grün und die Sonne strahlt mit mir um die Wette ... heile Bergwelt also. Abends dann ein alkoholfreies Radler und über den letzten Ultra schwadronieren. Perfekte Trailrunning Welt 😍
Kein Wunder also, dass Trailrunning (ebenso wie das klassische Bergwandern ... wobei, sind heiße Duschen und Halbpension mit 3-Gang-Menü wirklich "klassisch") boomt. Von Marketingexperten wird uns genau oben dargestelltes Bild suggeriert. Viele Wettkämpfe in den Alpen sind bereits Wochen vorher ausgebucht. Heile Trailrunning Welt 😍
Aber wehe, die Wiesen sind nicht saftig grün ... statt der Sonne stehen dicke Wolken am Himmel, Blitze zucken, Donner grollt. Die perfekten Trails werden zu Schlammsuhlen. Und überhaupt sind diese zu technisch und nicht laufbar. Der Cut off wird nicht geschafft, weil er zu streng gewählt ist. Und dann kommt dieses böse Wort ... ALTERNATIVSTRECKE. Da stellt sich dem gemeinen Trailrunner jedes einzelne Nackenhaar doppelt und dreifach empor. KEINE heile Trailrunning Welt mehr 😠
Danach wird dann über den Veranstalter geschimpft ... sei es wegen der bösen Alternativstrecke, wegen der viel zu technischen Trails, wegen des viel zu knappen Cut-offs ... und dass er Blitz und Donner bestellt hat ist auch die Höhe ... Veranstalter hier, Veranstalter da ... ich will doch umsorgt, gehegt und gepflegt werden in meiner heilen Trailrunning Welt 😕
Dabei vergessen wir nur allzu oft, dass wir selber es sind, die dem Veranstalter alle Verantwortung in den Schoß legen. Wer ist denn der Depp, wenn etwas passiert? Wer hat den Stress, wenn er hunderte Läufer bei einem aufziehenden Unwetter vom Berg holen muss? Dabei ist das wichtigste Wort, wenn man als Trailrunner in den Alpen unterwegs ist: SELBSTVERANTWORTUNG ... egal ob im Wettkampf oder privat. Um aber in den Bergen selbstverantwortlich unterwegs zu sein, muss man die Berge, die Begebenheiten vor Ort, das Wetter, etc. kennen lernen ... und man muss lernen, sich selber richtig einzuschätzen ... nicht selten läuft dieser Lernprozess über mehrere Jahre. Und man muss manchmal vielleicht auch ehrlich zu sich selber sein, wenn man den Anforderungen nicht gewachsen ist und eine Gefahr für sich und andere darstellt.
Aber oben suggeriertes Bild der heilen Trailrunning Welt verleitet immer mehr dazu, diesen Lernprozess nicht mehr zu machen und dem Hype (Ultra-)Trailrunning wie ein Lemming hinterher zu rennen. Das setzt unter anderem die Veranstalter immer mehr unter Druck und birgt Gefahren für Leib und Seele. Letztendlich sind auch wir Blogger hier gefragt, dieses Thema anzusprechen. Die Sozialen Medien haben hier eine ungeheure Macht. Wir sollten nicht nur die heile Welt vermitteln, sondern auch, wie man sich über viele Jahre diese heile Welt aufbauen und sich sicher in den Alpen bewegen kann ... wie man sich bei einem Gewitter verhält (ich war schockiert, als beim Streckenbriefing für'n Walser Ultra genau diese Frage gestellt wurde) ... wie man erste Hilfe leistet (es ist nicht mit Rettungsdecke und Wundpäckchen im Rucksack getan) ... wie man Sonnencreme aufträgt. Dieser Verantwortung sollten wir uns bewusst sein und sie nach außen hin auch vermitteln. Denn, sind wir mal ehrlich, Trailrunning in den Alpen ist halt schon geil ... vor allem, in dieser kleinen, schönen und heilen Trailrunning Welt 😍 ^johannes