07/02/2023
Ich war vielleicht 23 Jahre alt, als ich- als Jungmonteur wie das so schön heißt- in einer kleinen 2- Mann- Firma angestellt war. Ich hatte gerade in der Villa eines wohlhabenden Kunden im Nachbarort eine Reparatur durchgeführt und ging vom Haus hinüber in seine benachbarte Firma um mir den Arbeitsnachweis unterzeichnen zu lassen. Ich klingelte, bald öffnete sich automatisch die Eingangstüre und ich stand vor einer langen Treppe. Oben öffnete sich die Bürotüre und bevor ich nur „guten Morgen“ sagen konnte, brüllte mich der Inhaber von oben herab sofort an. Ich antwortete wie aus der Maschinenpistole geschossen- wohl weislich, völlig ungerechtfertigt gemaßregelt worden zu sein- im selben, brüllenden Ton von unten nach oben zurück. Er stutzte kurz und fragte: „Wie reden Sie denn mit mir?“ „Genauso, wie Sie mit mir!“- antwortete ich selbstbestimmt.
Es vergingen ein paar Wochen und wieder sollte ich zu besagter Villa fahren, um eine Undichtigkeit zu beseitigen. Ich sagte zu meinem damaligen Chef, er möge doch wegen des Vorfalls lieber meinen Kollegen dorthin entsenden. Er antwortete mir jedoch, der Kunde hätte ausdrücklich darauf bestanden, daß ich zu ihm kommen möge. Okay. Bisschen mulmig war mir schon, aber egal: Kopf hoch und durch.
Dort angekommen wurde mir erneut die Türe geöffnet: Diesmal allerdings höchst zuvorkommend, auf Augenhöhe, Wertschätzend. „Möchten Sie einen Kaffee? Hier steht auch Wasser, Apfelsaft, Kekse und eine Butterbrezel für Sie bereit“. Ich konnte es nicht fassen! Was mein kleiner Anfall von STOP, SO LASSE ICH NICHT MIT MIR UMGEHEN so alles bewirkt hatte.
Ab diesem Tag durfte nur noch ich diesen Kunden bedienen, mein Rat in Sachen Haustechnik war gefragt und wurde befolgt.
Deshalb: Einem Kunden/ Interessenten eine gelbe Karte zu zeigen ist oftmals der Beginn einer sehr erfolgreichen Geschäftsbeziehung. Und bestimmend sein, heißt nicht unverschämt sein!