23/08/2026
Die Zugsportsaison steht vor der Tür. Das heißt:
Geschirranalyse & Geschirranprobe:
Das perfekte Geschirr ist wie der perfekte Laufschuh
Ein gutes Zuggeschirr ist ein bisschen wie ein guter Trainingsschuh: Es ist unglaublich individuell.
Beim Schuhkauf schauen wir schließlich auch nicht einfach auf die Schuhgröße und sagen: „Der Schuh passt für diese Fußgröße, also passt er für jeden.“ Jeder Fuß ist anders, zb. schmal, breit, mit hohem oder niedrigem Spann. Und manchmal probiert man mehrere Schuhe in unterschiedlichen Größen und Breiten an, bevor man den findet, der wirklich perfekt sitzt.
Genauso ist es beim Geschirr.
Nicht jedes Geschirr passt auf jeden Hund. Entscheidend sind Körperbau, Proportionen, Brustkorb, Hals, Schulterpartie und natürlich die individuelle Bewegung des Hundes. Deshalb kann man auch nicht pauschal sagen: „Dieses Geschirr ist besonders gut für diese Rasse.“ Selbst zwei Hunde derselben Rasse können völlig unterschiedlich gebaut sein und benötigen unter Umständen unterschiedliche Geschirre.
Ein Geschirr muss sauber sitzen und zum individuellen Hund passen. Und genau deshalb sollte ein Zuggeschirr vorzugsweise immer in Bewegung und immer unter Zug beurteilt werden. Denn erst dann zeigt sich, wie das Geschirr tatsächlich am Hund sitzt und ob es sich während der Bewegung optimal mit dem Körper mitbewegt.
Idealerweise schaut man sich den Hund dabei im Galopp an. Hier entsteht die größte range of Motion des Körpers und man kann gut erkennen, ob das Geschirr auch bei voller Bewegung dort bleibt, wo es hingehört, oder ob es verrutscht, einschränkt oder an unerwünschten Stellen Druck erzeugt.
Eine Videoanalyse kann dabei zusätzlich unglaublich hilfreich sein. Durch die Möglichkeit, die Bewegung in Zeitlupe und aus verschiedenen Perspektiven anzuschauen, lassen sich kleine Unstimmigkeiten erkennen, die mit bloßem Auge während der laufenden Bewegung vielleicht gar nicht auffallen.
Denn nur weil ein Geschirr im Stand gut aussieht, heißt das noch lange nicht, dass es auch unter Zug und in der Bewegung optimal sitzt.
Und noch etwas: Es kann durchaus sinnvoll sein, für einen Hund mehrere Geschirre zu haben. Der Körper eines Hundes verändert sich im Laufe einer Zugsportsaison. Durch gezieltes Training verändern sich Muskulatur, Körperform (von etwas dick und schwammig zu muskulös) und körperliche Kondition. Ein Geschirr, das zu Beginn der Saison optimal sitzt, muss deshalb einige Monate später nicht zwangsläufig noch genauso gut passen.
Mehrere passende Geschirre ermöglichen es, je nach Trainingszustand und körperlicher Verfassung des Hundes dasjenige zu wählen, das aktuell am besten sitzt.
Deshalb mein Appell an euch: Wenn ihr unsicher seid, ob das Geschirr eures Hundes wirklich passt, lasst es von einer fachkundigen Person kontrollieren. Am besten nicht nur im Stand, sondern in der Bewegung und unter den Bedingungen, unter denen der Hund das Geschirr später auch tatsächlich nutzen soll.
Und wenn es nicht optimal sitzt, ist das kein Drama. Dann probiert man eben ein anderes Modell aus.
Die Auswahl an Geschirren ist mittlerweile riesig. Manchmal braucht es ein bisschen Ausprobieren und auch etwas Geduld, bis man genau das Geschirr gefunden hat, das für den eigenen Hund optimal funktioniert. Und die Farbe sollte hier zweitrangig sein.
Aber wenn man es gefunden hat, merkt man den Unterschied.
Dann ist es ein bisschen wie beim perfekten Laufschuh: Man merkt irgendwann gar nicht mehr, dass man ihn trägt, weil einfach alles passt.