31/07/2026
**Kampfsport und Linksextremismus**
Vor einiger Zeit haben wir darüber geschrieben, wie rechtsextreme Gruppen Kampfsport für ihre politischen Ziele nutzen. Dabei ging es um eigene Trainingsstrukturen, die Verbindung von körperlicher Ausbildung und Feindbildern sowie um die besondere Verantwortung der Trainer. Wer das eine kritisiert, darf über das andere nicht schweigen.
Deshalb richtet sich der Blick diesmal auf den Linksextremismus. Auch dort gibt es gewaltorientierte Gruppen, politische Feindbilder und Kampfsportangebote innerhalb der Szene. Die Strukturen und ideologischen Begründungen unterscheiden sich jedoch teilweise deutlich vom Rechtsextremismus.
Dabei muss zunächst sauber getrennt werden. Linke Politik, Kritik am Kapitalismus, Engagement gegen Rechtsextremismus oder die Teilnahme an Demonstrationen sind nicht automatisch linksextremistisch. Linksextremismus beginnt dort, wo die freiheitlich-demokratische Grundordnung abgelehnt und ihre Überwindung angestrebt wird. Gewalt kann dabei als notwendiges oder zumindest legitimes Mittel angesehen werden.
Die linksextremistische Szene ist nicht einheitlich organisiert. Es gibt kommunistische Parteien und feste Organisationen, aber auch anarchistische und autonome Gruppen. Gerade die autonome Szene verzichtet häufig auf formelle Mitgliedschaften, klare Hierarchien und dauerhaft erkennbare Leitungen. Sie organisiert sich über örtliche Gruppen, offene Treffen, persönliche Netzwerke, soziale Medien und eigene Treffpunkte.
Zu den zentralen Themen gehören Antifaschismus, Antikapitalismus, Antirepression, Klimapolitik und der Kampf gegen eine als unterdrückend verstandene staatliche Ordnung. Diese Begriffe sind für sich genommen nicht extremistisch. In linksextremen Zusammenhängen können sie jedoch dazu dienen, Gewalt gegen politische Gegner, Unternehmen, staatliche Einrichtungen oder die Polizei zu rechtfertigen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz rechnete im Jahr 2025 insgesamt 42.200 Menschen dem linksextremistischen Spektrum zu. Davon wurden 11.600 als gewaltorientiert eingestuft. Die Zahlen sagen nichts über einzelne politisch links stehende Menschen aus, zeigen aber, dass gewaltorientierter Linksextremismus kein erfundenes Randthema ist.
Auch Kampfsport spielt innerhalb dieser Szene eine Rolle. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stellt bei Teilen der gewaltorientierten linksextremen Szene ein zunehmendes Interesse an Kampfsport und an der wirksamen Anwendung körperlicher Gewalt fest. Begründet wird das Training meist mit Selbstschutz und der angenommenen Bedrohung durch politische Gegner.
Das klingt zunächst nachvollziehbar. Menschen dürfen lernen, sich gegen Angriffe zu schützen. Problematisch wird es dort, wo aus Selbstschutz eine offensive Vorbereitung auf politische Auseinandersetzungen wird und ganze Personengruppen als legitime Ziele dargestellt werden.
Nach Einschätzung des Bundesamtes werden Kampfsporttechniken vereinzelt bei Angriffen auf politische Gegner und gegen die Polizei eingesetzt. Eigene Trainings und Veranstaltungen dienen zudem der Vernetzung. Kontakte entstehen dabei nicht nur innerhalb der örtlichen Szene, sondern auch zu gewaltbereiten Gruppen aus dem Umfeld von Fußballfans und Hooligans.
Das aktuelle Lagebild des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes beschreibt Kampfsport ausdrücklich als Betätigungsfeld des Linksextremismus. Gewaltorientierte Personen können dort körperliche Fähigkeiten erwerben, Vertrauen aufbauen und neue Kontakte knüpfen. Damit entsteht ein Umfeld, in dem sich gemeinsames Training und politische Radikalisierung gegenseitig verstärken können.
In verschiedenen Städten wurden bereits offene Selbstverteidigungsangebote, Kampfsportkurse und Trainings in linken Szeneobjekten festgestellt. Solche Angebote werden teilweise öffentlich beworben und stehen nicht immer nur Personen offen, die bereits zur extremistischen Szene gehören. Gerade darin liegt ein mögliches Rekrutierungs- und Vernetzungspotenzial.
Ein solches Training muss nicht mit einer offenen politischen Schulung beginnen. Zunächst stehen vielleicht Fitness, Selbstverteidigung und Gemeinschaft im Vordergrund. Politische Botschaften können später über Gespräche, Veranstaltungen, gemeinsame Aktionen und die Bewertung angeblicher Gegner vermittelt werden.
Der Trainer spielt dabei dieselbe entscheidende Rolle wie in jeder anderen extremistischen Struktur. Er vermittelt nicht nur Schläge, Tritte und taktisches Verhalten. Er kann zugleich beeinflussen, welche Menschen als Bedrohung gelten und wann körperliche Gewalt als vertretbar angesehen wird.
Im linksextremen Umfeld können Rechtsextreme, Polizeibeschäftigte, Unternehmer, Vermieter, politische Vertreter oder andere als Teil eines unterdrückenden Systems betrachtete Menschen zu Feindbildern werden. Kritik an diesen Personen oder Institutionen ist selbstverständlich erlaubt. Ihre Entmenschlichung oder die Rechtfertigung von Gewalt gegen sie ist es nicht.
Trotzdem wäre es falsch, den Kampfsport im Rechts- und Linksextremismus einfach gleichzusetzen. In der rechtsextremen Szene existieren seit Jahren besonders ausgeprägte internationale Netzwerke, eigene Veranstaltungen und Gruppen, bei denen Kampfsport ein fester Bestandteil der politischen Strategie ist. Im Linksextremismus sind die Strukturen bislang kleiner, stärker örtlich geprägt und weniger geschlossen organisiert.
Die Gefahr darf deshalb weder übertrieben noch verharmlost werden. Ein gewöhnlicher Kampfsportverein wird nicht dadurch gefährlich, dass dort Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten trainieren. Er kann sogar ein Ort sein, an dem Vorurteile abgebaut, Regeln eingehalten und Konflikte ohne Gewalt ausgetragen werden.
Kritisch wird es dort, wo Extremisten selbst unterrichten und neben den Techniken auch ihre Ideologie weitergeben. Dann wird gemeinsam festgelegt, wer der Gegner ist, welche Gewalt als legitim gilt und gegen wen das Gelernte eingesetzt werden darf. Aus einem Trainingsraum kann so ein Ort politischer Radikalisierung werden.
Kampfsport macht aus niemandem automatisch einen Extremisten. Ein extremistischer Trainer kann Kampfsport aber nutzen, um bestehende Einstellungen zu festigen, Gruppen enger zusammenzuführen und Menschen körperlich auf gewaltsame Auseinandersetzungen vorzubereiten. Das gilt unabhängig davon, ob die Ideologie von rechts, links oder aus einem anderen extremistischen Umfeld kommt.
Kampfsport bedeutet Verantwortung. Wer anderen das Kämpfen beibringt, trägt Verantwortung dafür, welche Haltung dabei vermittelt wird. Körperliche Fähigkeiten dürfen weder Menschenfeindlichkeit noch Einschüchterung oder politischer Gewalt unterstützen.
Bitte teilt diesen Text, damit die Diskussion nicht einseitig bleibt. Kampfsport soll Menschen stärker, kontrollierter und verantwortungsbewusster machen. Er darf nicht zum Werkzeug irgendeiner extremistischen Ideologie werden.
Quellen: [Bundesamt für Verfassungsschutz: Kampfsportveranstaltungen im Linksextremismus](https://www.verfassungsschutz.de/DE/service/glossar/Functions/glossar.html?lv2=678602), [Bundesamt für Verfassungsschutz: Zahlen und Fakten zum Linksextremismus](https://www.verfassungsschutz.de/DE/themen/linksextremismus/zahlen-und-fakten/zahlen-und-fakten_node.html), [Innenministerium Nordrhein Westfalen: Lagebild Linksextremismus](https://www.im.nrw/system/files/media/document/file/lagebild_linksextremismus_ansicht.pdf)