13/09/2026
Manche Menschen kommen in dein Leben und verändern es für immer.
Petra Rippelbeck ist so ein Mensch und ich genieße ihre Freundschaft bis heute. Heute wird sie 70 Jahre alt, doch sie sieht aus und wirkt wie 50.
Sie kam mit Mitte 30 zu mir auf das Gestüt, auf dem ich damals arbeitete, und wollte reiten lernen. Sie kannte Pferde schon länger und hatte ein Reitpony für ihre Tochter Cathy zu Hause, zusammen mit den Ponys des Nachbarn. Doch nun wollte sie auch selbst einmal in den Sattel. Unsere lieben Vollblutaraberstuten waren ideal dafür.
Doch sie hatte Angst vor Tempo, vor Kontrollverlust.
Meine Reitanfänger ritten immer erst einmal ohne Sattel und mit Halsring, damit sie fühlten, dass die Pferde auf ihrer Seite waren und man keinerlei Kraft brauchte, um sie zu „beherrschen“. Das Bitten reicht.
Petra wusste, dass unsere Pferde brav und lieb waren, und doch war es für sie nicht wirklich möglich, eine höhere Geschwindigkeit zu reiten. Sie hatte keine Eile, das schnell zu lernen, doch ich hatte das Gefühl besser Fähigkeiten zu brauchen um ihr gut helfen zu können.
Auf der Suche nach einem leichteren Weg für sie rief ich eine Tellington-Kollegin an. Sie empfahl mir eine andere Tellington-Kollegin und sagte: „Sie macht Kurse für ängstliche Reiter.“
Ich nahm Kontakt mit der Reitlehrerin auf und lud sie zu einem Reitkurs bei uns ein.
Sie unterrichtete „Reiten aus der Körpermitte“, sagte sie. Also kaufte ich mir das Buch und las darin. Ich probierte im Bett einmal die Übung aus, in meine Beine zu atmen. Mh … nichts geschah.
Doch das Bild, sich beim Reiten vorzustellen, man sei ein Baum, der von der Körpermitte nach sich unten mit Wurzeln in den Boden erdet und zugleich nach oben zu wachsen, half all meinen Schülern, aufrechter zu sitzen und die Füße unter dem Becken zu haben.
Der Kurs, an dem auch Petra direkt teilnahm, veränderte meinen Unterricht zu 100 %. Hinzu kam das Geschenk der Feldenkrais-Methode, denn meine Kollegin war gerade im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Feldenkrais-Lehrerin und durfte schon Gruppenstunden unterrichten. Auch das führte zu einem völlig neuen Reiterleben.
Wir organisierten alle zwei Monate einen Reitkurs mit ihr, weil wir so begeistert waren. Petra machte alle mit und schließlich machten wir 1999 zusammen die erste Stufe der Centered-Riding® Ausbildung, damals mit Conny Vits, der äusserst qualifizierten, einzigen deutschen Ausbilderin für Centered Riding zu der Zeit, Bereiterin, Lehrerin der Alexander Technik und auch Tellington Pracitioner für Pferde..
So hatte Petra schon von Anfang an einen bedeutenden Einfluss auf mein Leben. Auf der Suche nach einer Hilfe für sie, half ich mir selbst. Eine lebensverändernde Maßnahme.
Petra wurde keine ganz souveräne Reiterin. Sie bevorzugte immer brave Pferde, doch mit denen hatte sie viel Freude.
Einer unserer Zuchthengste wurde ihr Lieblingsreitpferd. Als er sich in der Zucht nicht als so wertvoll zeigte, wie seine Abstammung versprach, wurde er kastriert und schließlich verkauft. Seine neue Besitzerin war allerdings nicht gut zu ihm und ritt ihn in Grund und Boden.
Petra kaufte ihn, dünn, gesenkter Rücken, Gallen an den Fesselgelenken, das Licht aus deinen Augen erloschen. Er war ihr als wundervolles Lehrpferd damals ans Herz gewachsen und die päppelte ihn wieder auf. Mit Liebe, gutem Futter und der Tellington Methode. Sein Rücken wurde wieder gut, seine Augen wurden wieder groß und rund und leuchten und so konnte sie ihn dann tatsächlich auch wieder reiten. Er wurde für ein paar Jahre wieder ein glückliches Freizeitpferd, das zusammen mit der Reitponystute, ein langes glückliches Leben führen durfte, dann auch als Rentner als seine zuvor überstrapazierten Beine dann doch nicht mehr so richtig konnten.
Als Petra mal zu einem fünftägigen Reitkurs zu mir ins Saarland kam – inzwischen war ich selbstständig und nicht mehr auf dem Gestüt –, ritt sie auch den Islandhengst einer Freundin von unserer Wiese zur drei Kilometer entfernten Reithalle, zusammen mit den anderen Teilnehmer:Innen.
Ich war so stolz auf sie.
Das fremde Pferd und dazu einen Hengst – was vielen Leuten ja doch Respekt einflößt, meist zu Unrecht – in einer Gruppe mit fremden Reitern, im fremden Gelände zu reiten, zeigte mir noch einmal deutlich, wie viel mehr Selbstvertrauen sie inzwischen hatte. Wie sicher sie sich mittlerweile fühlte.
Natürlich vertraute sie auch mir und wusste, dass ich sie nur ein Pferd reiten lassen würde, dem man vertrauen kann.
Ein Zeichen unserer wunderbaren Beziehung, das mich damals sehr freute.
Und diese Beziehung besteht bis heute. Sie wohnt seit 27 Jahren ganze 500 Kilometer von mir entfernt. Wir hören uns nicht so oft und sehen uns noch seltener. Doch wenn wir reden, fühlt sich nichts nach Entfernung an.
Immer hat Petra ein offenes Ohr. Wir können über alles reden und bringen uns gegenseitig auf gute Gedanken und Lösungswege.
Und heute wird sie 70. Dabei ist sie eher wie 50.
Happy Birthday, Petra!
Schön, dass es dich gibt, und danke, dass du mein Leben schon so viele Jahre bereicherst.
Foto: Petra & ihr Shadwan