11/06/2026
Manche Pferde führen durch Druck. Gili führt durch Vertrauen.
Vor ein paar Tagen schilderte mir eine Einstellerin eine Beobachtung. In unserer kleinen Liegehalle war etwas Unruhe entstanden. Nichts Dramatisches. Aber offenbar genug, dass zwei Pferde beschlossen, die Situation nicht selbst zu klären.
Sie gingen los und holten Gili.
Er lief mit zur Liegehalle, ging hinein, kümmerte sich um die Unstimmigkeit und kurze Zeit später war wieder Ruhe eingekehrt.
Als sie mir das erzählte, musste ich lächeln. Nicht, weil es mich überrascht hat. Sondern weil es so typisch für ihn ist.
Gili ist inzwischen 20 Jahre alt. Ich kenne ihn sein ganzes Leben. Ich hatte seine Oma. Ich hatte seine Mutter. Und ich durfte erleben, wie aus diesem Fohlen der Wallach wurde, der heute für unsere Herde so wichtig ist.
Er hält die Gruppe zusammen. Er bemerkt Veränderungen oft früher als ich. Er möchte wissen, wenn neue Pferde kommen, wenn Pferde die Herde verlassen oder wenn irgendwo etwas anders ist als gestern.
Die Herde ist für ihn nicht einfach eine Gruppe von Pferden.
Sie ist seine Aufgabe.
Dabei ist er kein Chef, der ständig Druck macht. Im Gegenteil. Manchmal treten andere Wallache sehr selbstbewusst auf. Dann zieht er sich zurück, beobachtet und wartet ab. Er muss niemandem etwas beweisen.
Vielleicht ist genau das ein Teil seiner Stärke.
Denn wenn die Aufregung vorbei ist, ist Gili immer noch da.
Ruhig. Präsent. Verlässlich.
Unsere Herde hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen erlebt. Pferde sind gegangen. Neue Pferde sind gekommen. Freundschaften haben sich verändert. Und immer wieder musste sich die Herde neu finden. Immer wieder musste sie sich neu sortieren.
Und immer wieder war Gili einer der Gründe, warum aus vielen einzelnen Pferden wieder eine funktionierende Gemeinschaft geworden ist.
Vielleicht ist das das größte Kompliment, das eine Herde einem Pferd machen kann:
Wenn etwas passiert, gehen die anderen los und holen genau ihn. ❤️