Bauer Karl

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Bauer Karl Pferde mit Atemwegserkrankungen
Mannheim: ARTEGERECHTE Pferdehaltung ohne Kompromisse

22/10/2026

„Mein Pferd steht im Aktivstall. Das hat doch genug Bewegung.“

Ein gut gestalteter Aktivstall schafft dafür sehr gute Voraussetzungen: Wege zwischen Futter, Wasser und Ruheplätzen, gemeinsames Spielen und freiwillige Laufrunden. Diese selbstbestimmte Bewegung ist wertvoll und gehört zu einem guten Pferdeleben.

Ob ein Pferd dadurch ausreichend fit ist, lässt sich aus der Haltungsform allein aber nicht ableiten.

Bewegungsmöglichkeit und tatsächliche Bewegung sind zwei verschiedene Dinge. Manche Pferde sind viel unterwegs, andere wählen kurze Wege. Häufig bewegen sie sich im ruhigen Schritt, mit vielen Fress- und Ruhephasen dazwischen. Eine ausgelassene Galopprunde sagt wenig darüber aus, wie gut sie längere Belastungen bewältigen.

Diese Alltagsbewegung kann zur Grundfitness beitragen. Sie entwickelt aber nicht automatisch die Kraft, Ausdauer und Koordination, die wir beim Reiten voraussetzen. Auch das Körpergewicht reguliert sich dadurch nicht von selbst.

Ein gesundes Pferd, das geritten werden soll, braucht deshalb eine gezielte Vorbereitung auf seine Aufgaben. Selbst ein gemütlicher Ausritt verlangt, einen Reiter zu tragen und länger am Stück in Bewegung zu bleiben.

Das bedeutet kein tägliches Auspowern, sondern regelmäßiges, passend aufgebautes Training – unter dem Sattel oder durch sinnvolle Arbeit vom Boden.

Bei einem Rentner können die Ziele anders aussehen. Für manche passt die freie Alltagsbewegung gut, andere profitieren von zusätzlicher Unterstützung.

Auch bei atemwegskranken Pferden entscheidet die individuelle Belastbarkeit. Bei stabiler Erkrankung kann angepasstes Training sinnvoll sein. Bei akuten Atemproblemen stehen tierärztliche Abklärung und Behandlung im Vordergrund.

Gute Haltung und durchdachtes Training ergänzen sich. Der Aktivstall übernimmt einen wertvollen Teil der täglichen Bewegung. Als Besitzer bleiben wir verantwortlich, hinzuschauen, was unser Pferd darüber hinaus braucht.

19/10/2026

Schweres Asthma, eine Staubwolke – und trotzdem kein Husten? 🐴

In unserem Aktivstall lässt sich manchmal eine erstaunliche Szene beobachten: Ein Pferd wälzt sich genüsslich auf seinem Lieblingsplatz. Der Boden ist dort stellenweise sandig. Wenn es aufsteht und sich kräftig schüttelt, steigt eine deutlich sichtbare Staubwolke auf.

Auch Pferde mit schwerem equinem Asthma machen das bei uns. Und meistens husten sie dabei nicht.

Für uns ist das eine alltägliche, aber bemerkenswerte Beobachtung. Denn wir wissen, welche Rolle eingeatmete Partikel und andere Umweltreize bei equinem Asthma spielen.

Trotzdem möchten wir unseren Pferden das Wälzen und die freie Wahl ihrer Ruheplätze ermöglichen. Unser Ansatz ist, die Belastungen zu verringern, auf die wir im täglichen Haltungsmanagement Einfluss haben: hochwertige, möglichst staubarme Heulage statt trockenem Heu, strohfreie Haltung, gute Luftverhältnisse und großzügige Bewegungsmöglichkeiten.

Das sind keine Maßnahmen für einen einzelnen Moment. Sie prägen den gesamten Tagesablauf – jeden Tag.

Die Staubwolke beim Wälzen bleibt eine Staubbelastung. Auch fehlender Husten ist für sich allein kein Beweis für entzündungsfreie Atemwege. Wie gut die Erkrankung kontrolliert ist, zeigt sich im längerfristigen Verlauf, an der Atmung und Belastbarkeit des Pferdes und gegebenenfalls in tierärztlichen Untersuchungen. Medizinisch notwendige Behandlungen gehören selbstverständlich dazu.

Was wir erleben: Unter konsequent angepassten Haltungsbedingungen können auch schwer atemwegskranke Pferde über lange Zeit stabil und im Alltag häufig symptomarm sein. Sie können sich wälzen, in der Herde bewegen und ihre eigenen Lieblingsplätze haben. Das ist für uns ein wichtiger Teil ihrer Lebensqualität.

Atemwegsgerechte Haltung bedeutet nicht, dass niemals Staub aufwirbelt. Sie bedeutet, die vermeidbaren Belastungen im Lebensumfeld eines Pferdes Tag für Tag so gering wie möglich zu halten – und dabei das Pferd als Ganzes im Blick zu behalten.

15/10/2026

Was Pensionsstall eigentlich bedeutet … wenn man die eigene Ausrichtung nicht aus den Augen verlieren darf.

Man wünscht sich einen Stall, in dem möglichst alles zum eigenen Pferd passt. In gemeinsamer Haltung treffen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Ein Betrieb kann seine Umgebung und seine Abläufe nicht für jedes Pferd neu gestalten.

Als Stallbetreiberin möchte ich gute Lösungen finden und wünsche mir, dass Pferde und Besitzer langfristig bleiben. Das kann verunsichern. Man reagiert auf eine Anforderung, dann auf die nächste – und irgendwann passen die Anpassungen nicht mehr zusammen.

Dann hilft ein Schritt zurück: Was kann ich zuverlässig leisten? Was möchte ich anbieten? Wofür steht mein Stall?

Bei Bauer Karl ist der Schwerpunkt die Haltung atemwegskranker Pferde. Darauf richten wir Fütterung, Umgebung und tägliche Arbeit aus. Daran muss ich auch neue Ideen messen.

Zeitgesteuerte Raufen sind ein Beispiel. Der Wunsch, die Futteraufnahme besser zu steuern, ist nachvollziehbar. Dieser Effekt allein reicht aber nicht aus. Wie kommen die unterschiedlichen Pferde damit zurecht? Was verändert sich beim Futterzugang und innerhalb der Gruppe? Passt die Lösung zu unserem atemwegsorientierten Haltungskonzept?

Auch ein angemessenes Körpergewicht gehört zur Gesundheit. Unsere Spezialisierung hebt andere Bedürfnisse nicht auf. Dennoch kann unser Stall nicht für jede Kombination von Anforderungen die passende Lösung bieten.

Die eigene Ausrichtung hilft mir zu unterscheiden: Wo müssen wir besser werden? Welche Anforderungen können wir nicht verlässlich erfüllen? Eine Rückmeldung verdient Aufmerksamkeit. Veränderungen müssen mit Blick auf die gesamte Haltung entschieden werden.

Auch das eigene Konzept gehört auf den Prüfstand, wenn neue Erkenntnisse dafür sprechen. Entscheidend ist, Veränderungen fachlich abzuwägen und den Grundgedanken im Blick zu behalten.

Nicht jeder Stall ist für jedes Pferd geeignet. Als Betrieb müssen wir klar benennen, was wir bieten können. Zur Eigenverantwortung der Pferdebesitzer gehört, zu prüfen, ob dieses Haltungskonzept den Bedürfnissen ihres Pferdes gerecht wird – auch bei Verände

12/10/2026

Sind 15 Kilo Heulage wirklich zu viel?

Dein Pferd nimmt zu, und die Heulageportion wirkt riesig. Da liegt der Gedanke nahe: Das muss zu viel sein. Doch auf der Futterwaage liegt auch Wasser. Die Kilogrammzahl allein beantwortet die Frage deshalb nicht.

Entscheidend für den Mengenvergleich ist die Trockenmasse: das, was vom Futter nach Abzug des Wassers bleibt. Bei 60 Prozent Trockensubstanz enthalten 15 Kilo Heulage 9 Kilo Trockenmasse und 6 Kilo Wasser.

Nehmen wir ein 600-Kilo-Pferd als Rechenbeispiel: 1,5 Kilo Raufuttertrockenmasse je 100 Kilo Körpergewicht ergeben 9 Kilo täglich. Die 1,5 Kilo werden fachlich als unterer Orientierungswert eingeordnet. Sie sind keine pauschale Idealration, keine Obergrenze und kein allgemeiner Abnehmplan.

Diese 9 Kilo Trockenmasse stecken in 15 Kilo Heulage mit 60 Prozent Trockensubstanz, in rund 12,9 Kilo Heulage mit 70 Prozent oder in rund 10,5 Kilo Heu mit angenommenen 86 Prozent. Die angenommenen Trockensubstanzgehalte dienen nur der Veranschaulichung.

Die Rechnung: gewünschte Trockenmasse in Kilo geteilt durch den Trockensubstanzanteil als Dezimalzahl. Hier also: 9 ÷ 0,60 = 15 Kilo Futter.

Umgekehrt liefern dieselben 15 Kilo Heulage bei 70 Prozent bereits 10,5 Kilo Trockenmasse. Trockeneres Futter bedeutet bei gleichem Gewicht also mehr Trockenmasse – nicht automatisch weniger Fressen oder Abnehmen.

Gleiche Trockenmasse bedeutet aber auch nicht gleiche Energie- oder Nährstoffversorgung. Ob dein Pferd zunimmt, hängt von der tatsächlich gefressenen Gesamtration, ihrem Energiegehalt und seinem individuellen Bedarf einschließlich Bewegung ab. In der Gruppe verrät der Gesamtverbrauch zudem nicht, wie viel jedes Pferd frisst.

Gewichtszunahme verdient Aufmerksamkeit. Eine groß wirkende Portion allein ist aber noch kein Beleg für eine Überversorgung. Die Futterwaage bleibt wichtig; der Trockensubstanzgehalt aus einer Futteranalyse ermöglicht den Mengenvergleich. Ob die Ration passt, muss zusätzlich anhand von Bedarf, Körperkondition und Gewichtsentwicklung des einzelnen Pferdes beurteilt werden.

Speichere dir das Rechenbeispiel, damit du Raufuttermengen beim nächsten Vergleich richtig einordnen kannst.

24/09/2026

Was Pensionsstall eigentlich bedeutet … wenn man nicht allein schön halten kann, was viele täglich nutzen.

Auch ich möchte einen schönen Hof.

Ich lebe hier. Ich arbeite hier. Und natürlich sehe auch ich jeden Tag Dinge, die sauberer, schöner oder besser sein könnten.

Also wird gefegt, repariert, erneuert, investiert und nach Lösungen gesucht.

Aber ein Stall wird jeden Tag von vielen Menschen genutzt. Und genau deshalb entscheidet nicht nur das, was der Betreiber hineinsteckt, sondern auch der tägliche Umgang mit dem, was da ist.

Ein Pferd äppelt auf den frisch gefegten Hof. Beim Putzen bleibt Fell liegen. Ein gemeinsam genutzter Bereich wird schmutzig hinterlassen. Etwas geht kaputt – und niemand sagt Bescheid.

Alles für sich Kleinigkeiten. In der Summe irgendwann nicht mehr.

Und das fällt nicht nur uns als Betreiber auf. Wir haben viele Einsteller, die sehr sorgsam mit unserem Hof umgehen, mitdenken und selbst darum bitten, gemeinschaftlich genutzte Bereiche sauber zu hinterlassen.

Dabei geht es mir ausdrücklich nicht um Arbeitsdienste oder darum, Aufgaben des Stallbetreibers auf Einsteller abzuwälzen.

Natürlich bezahlen unsere Einsteller für die vereinbarten Leistungen rund um Haltung und Versorgung.

Aber zu einer guten Stallgemeinschaft gehört für mich auch, sorgsam mit dem umzugehen, was alle nutzen.

Für unsere Einsteller ist unser Hof vor allem der Ort, an dem ihr Pferd lebt.

Für uns ist er Zuhause und Arbeitsplatz.

Und ja: Wenn man über Jahre immer wieder herrichtet, repariert und kurz darauf erneut anfangen muss, kann sich das manchmal wie ein kleiner Kampf gegen Windmühlen anfühlen.

Denn einen schönen Stall kann man schaffen.

Schön bleiben kann er aber nur, wenn viele sorgsam mit dem umgehen, was geschaffen wurde.

21/09/2026
21/09/2026

Was Pensionsstall eigentlich bedeutet … wenn Wünsche kein Ende haben.

Als Pensionsstallbetreiber möchte man, dass sich Pferd und Mensch wohlfühlen. Also hört man zu, nimmt Wünsche ernst und versucht, Dinge möglich zu machen.

Hier etwas verbessern, dort etwas verändern, etwas Neues anschaffen oder eine Lösung finden, die den Alltag leichter macht.

Und kaum ist ein Punkt erledigt, fällt der Blick schon auf den nächsten.

Eigentlich ticken wir dabei alle gleich.

Die Einsteller sehen Dinge, die sie sich für ihren Stall wünschen. Und ich sehe mindestens genauso viele Dinge, die ich an unserem Betrieb gerne verändern würde.

Meine eigene Wunschliste ist lang.

Denn natürlich hätte auch ich gerne noch bessere Lösungen, schönere Bereiche, weniger Baustellen und vieles, was Pferden, Menschen oder unseren Arbeitsabläufen guttun würde.

Nur gibt es einen Unterschied zwischen Wunschliste und Wirklichkeit:

Geld, Zeit, Arbeitskraft und Fläche sind begrenzt.

In der Wirtschaftslehre ist genau das ein Grundprinzip: Bedürfnisse hören nicht einfach irgendwann auf. Unsere Möglichkeiten dagegen schon.

Und ein Pensionsstall ist eben auch ein Unternehmen.

Also muss man priorisieren. Manches geht sofort, anderes muss warten und bei manchen Dingen heißt es: Das ist im Moment einfach nicht drin.

Als junge Frau kannte ich eine Stallbetreiberin, die oft etwas grummelig und streng wirkte. Damals dachte ich manchmal: Warum ist die bloß so?

Heute bin ich ungefähr in dem Alter, in dem sie damals war – und verstehe sie ziemlich gut.

Denn dieses ständige Abwägen kann mürbe machen. Du freust dich, dass etwas endlich geschafft ist – und während du noch denkst: „Super, ein Punkt weniger“, steht gedanklich schon der nächste vor der Tür.

Bei uns ist auch schon einmal jemand ausgezogen, der sagte, er wäre gerne geblieben, hätte aber leider keinen Sponsor für seinen Pensionsplatz gefunden.

Mein erster Gedanke:

Ich hätte auch gern einen Sponsor.

Dann könnten wir vermutlich noch viel mehr gute Ideen verwirklichen.

Bis dahin gehört auch das zum Pensionsstall:

zuhören, möglich machen, wo es geht – und trotzdem priorisieren.

17/09/2026

Wie viel Sicherheit darf Lebensqualität kosten?

Im letzten Beitrag ging es um die Frage, warum wir Bewegung bei Pferden so schnell unter dem Gesichtspunkt der Verletzungsgefahr betrachten.

Aber dahinter steckt noch eine grundsätzlichere Frage: Wie viel Risiko darf ein Pferdeleben überhaupt haben?

Vor einiger Zeit sagte eine Einstallerin zu mir: „Wenn meinem Pferd hier irgendwann etwas passiert, dann weiß ich wenigstens, dass es bis dahin ein richtig gutes Leben hatte.“

Das klingt im ersten Moment vielleicht hart. Gemeint war aber nicht Gleichgültigkeit. Im Gegenteil.

Es ging um die Erkenntnis, dass wir ein Pferd niemals vor allem schützen können.

Wir können Zäune sicher bauen, Flächen vernünftig gestalten, Gruppen sorgfältig zusammenstellen und Verletzungsquellen möglichst reduzieren. Wir können beobachten, vorsorgen und Verantwortung übernehmen.

Aber wir können nicht jedes Risiko ausschließen und einem Pferd gleichzeitig jede Freiheit lassen.

Ein Pferd kann sich beim Rennen verletzen. Im Spiel. Im Sozialkontakt. In freier Bewegung.

Die Konsequenz daraus kann aber nicht sein, immer mehr Bewegung und Selbstbestimmung zu begrenzen, bis möglichst wenig passieren kann.

Denn irgendwann müssen wir uns fragen: Was wollen wir eigentlich schützen? Nur den Körper? Oder auch das Leben, das dieses Pferd führen darf?

Für mich bedeutet verantwortungsvolle Pferdehaltung deshalb nicht, Risiken zu ignorieren. Aber auch nicht, ein Pferd vor jedem denkbaren Risiko bewahren zu wollen.

Es geht darum, Risiken so gut wie möglich zu reduzieren, ohne dabei genau das wegzunehmen, was ein Pferdeleben ausmacht: Bewegung, Sozialkontakt, freie Entscheidungen und die Möglichkeit, den eigenen Körper wirklich benutzen zu dürfen.

Absolute Sicherheit gibt es nicht. Auch nicht in der Box. Auch nicht auf dem kleinen Paddock.

Vielleicht ist deshalb nicht die entscheidende Frage:

„Wie verhindere ich, dass meinem Pferd jemals etwas passiert?“

Sondern:

„Wie ermögliche ich meinem Pferd ein möglichst sicheres Leben, das trotzdem noch ein Pferdeleben sein darf?“

14/09/2026

Wenn ein Pferd losrennt – sehen wir dann nur noch das Risiko?

Einer unserer Aktivstall-Rundwege führt ein gutes Stück am Nachbarhof entlang. Wenn unsere Pferde dort spielen, angaloppieren oder gemeinsam losrennen, passiert manchmal etwas Spannendes: Die Pferde auf den angrenzenden Paddocks wollen mit. Sie traben an, buckeln oder laufen ein Stück mit.

Und sehr schnell fällt dann der Satz: „Jetzt regen die sich wieder so auf.“

Aber vielleicht müssen wir genauer hinschauen. Ein Pferd, das Artgenossen sieht und mitlaufen möchte, ist nicht automatisch gestresst. Es kann schlicht motiviert sein, sich der Bewegung anzuschließen.

Und genau da beginnt für mich eine wichtige Frage: Wann ist Bewegung eigentlich noch normales Pferdeverhalten – und wann haben wir angefangen, sie vor allem als Verletzungsrisiko zu betrachten?

Natürlich kann sich ein Pferd beim Rennen verletzen. Aber ein Pferd kann sich auch in einer Box verletzen, auf einem kleinen Paddock, beim Umdrehen oder beim Buckeln auf engem Raum. Absolute Sicherheit gibt es in keiner Haltungsform.

Was mich deshalb nachdenklich macht, ist etwas anderes: Viele Pferde haben im Alltag kaum noch die Möglichkeit, überhaupt einmal Strecke zu machen. Nicht nur drei Galoppsprünge bis zum nächsten Zaun, sondern wirklich zu beschleunigen, den Körper lang zu machen, gemeinsam zu laufen, wieder abzubremsen und erneut anzugaloppieren.

Unsere Pferde nutzen dafür ihre Rundwege und großen Flächen. Und ja – manchmal wird dabei ordentlich gerannt.

Ich sehe das nicht als Störung des Stallfriedens. Ich sehe Pferde, die ihren Körper benutzen dürfen.

Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur fragen: „Kann dabei etwas passieren?“

Sondern auch: „Was fehlt einem Pferd, wenn wir aus Angst immer mehr verhindern?“

10/09/2026

Was Pensionsstall eigentlich bedeutet … wenn man lernen muss, auch die Stillen zu hören.

Eine der wichtigsten Lektionen aus vielen Jahren Pensionsstall habe ich nicht bei den Pferden gelernt, sondern bei den Menschen.

Früher habe ich oft zuerst dort reagiert, wo der Druck am größten war: wenn häufig nachgehakt wurde, ein Wunsch immer wieder auf den Tisch kam oder jemand sehr deutlich machte, wie wichtig ihm sein Anliegen ist. Dann organisiert man, verschiebt, sucht Lösungen, macht Dinge möglich – und verbiegt sich manchmal mehr, als eigentlich gut wäre.

Das ist menschlich. Denn was laut, häufig und dringlich an uns herangetragen wird, bekommt automatisch Aufmerksamkeit. Aber mit den Jahren habe ich verstanden: Lautstärke ist kein guter Maßstab für Priorität.

Denn da sind auch die anderen. Die Einsteller, die einen Wunsch einmal äußern und nicht dreimal hinterherfragen. Die mitdenken, vieles selbstständig lösen, Verständnis für Abläufe haben und oft über viele Jahre ganz selbstverständlich Teil eines Betriebs sind.

Gerade sie dürfen nicht aus dem Blick geraten, nur weil sie keinen Druck erzeugen.

Und genauso wichtig: Still zu sein heißt nicht automatisch, dass immer alles passt. Wer wenig fordert, hat trotzdem Bedürfnisse. Vielleicht spricht er sie nur leiser aus. Vielleicht wartet er länger. Vielleicht denkt er: „Es wird sich schon ergeben.“

Heute versuche ich deshalb bewusster hinzuschauen: Was ist wirklich wichtig? Was ist für Pferd, Mensch und Betrieb sinnvoll? Wer braucht gerade tatsächlich eine Lösung – und wessen Anliegen ist vielleicht genauso berechtigt, obwohl es nicht ständig im Raum steht?

Das bedeutet nicht, dass häufige Nachfragen unberechtigt sind. Und es bedeutet auch nicht, dass unkomplizierte Kunden „besser“ sind. Es bedeutet nur: Gute Betriebsführung darf sich nicht allein davon steuern lassen, wer am meisten Druck erzeugt.

Zu einem Pensionsstall gehört für mich deshalb auch, Aufmerksamkeit fair zu verteilen. Nicht nur auf das zu reagieren, was laut wird, sondern bewusst auch die Menschen wahrzunehmen, die wenig Raum für sich beanspruchen.

Denn manchmal sind es gerade die Stillen, die e

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Marderweg 60
Mannheim
68219

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