Bauer Karl

Bauer Karl Pferde mit Atemwegserkrankungen
Mannheim: ARTEGERECHTE Pferdehaltung ohne Kompromisse

10/09/2026

Was Pensionsstall eigentlich bedeutet … wenn man lernen muss, auch die Stillen zu hören.

Eine der wichtigsten Lektionen aus vielen Jahren Pensionsstall habe ich nicht bei den Pferden gelernt, sondern bei den Menschen.

Früher habe ich oft zuerst dort reagiert, wo der Druck am größten war: wenn häufig nachgehakt wurde, ein Wunsch immer wieder auf den Tisch kam oder jemand sehr deutlich machte, wie wichtig ihm sein Anliegen ist. Dann organisiert man, verschiebt, sucht Lösungen, macht Dinge möglich – und verbiegt sich manchmal mehr, als eigentlich gut wäre.

Das ist menschlich. Denn was laut, häufig und dringlich an uns herangetragen wird, bekommt automatisch Aufmerksamkeit. Aber mit den Jahren habe ich verstanden: Lautstärke ist kein guter Maßstab für Priorität.

Denn da sind auch die anderen. Die Einsteller, die einen Wunsch einmal äußern und nicht dreimal hinterherfragen. Die mitdenken, vieles selbstständig lösen, Verständnis für Abläufe haben und oft über viele Jahre ganz selbstverständlich Teil eines Betriebs sind.

Gerade sie dürfen nicht aus dem Blick geraten, nur weil sie keinen Druck erzeugen.

Und genauso wichtig: Still zu sein heißt nicht automatisch, dass immer alles passt. Wer wenig fordert, hat trotzdem Bedürfnisse. Vielleicht spricht er sie nur leiser aus. Vielleicht wartet er länger. Vielleicht denkt er: „Es wird sich schon ergeben.“

Heute versuche ich deshalb bewusster hinzuschauen: Was ist wirklich wichtig? Was ist für Pferd, Mensch und Betrieb sinnvoll? Wer braucht gerade tatsächlich eine Lösung – und wessen Anliegen ist vielleicht genauso berechtigt, obwohl es nicht ständig im Raum steht?

Das bedeutet nicht, dass häufige Nachfragen unberechtigt sind. Und es bedeutet auch nicht, dass unkomplizierte Kunden „besser“ sind. Es bedeutet nur: Gute Betriebsführung darf sich nicht allein davon steuern lassen, wer am meisten Druck erzeugt.

Zu einem Pensionsstall gehört für mich deshalb auch, Aufmerksamkeit fair zu verteilen. Nicht nur auf das zu reagieren, was laut wird, sondern bewusst auch die Menschen wahrzunehmen, die wenig Raum für sich beanspruchen.

Denn manchmal sind es gerade die Stillen, die e

07/09/2026

Was Pensionsstall eigentlich bedeutet … ein schöner Stall sollte kein Ort sein, an dem alle auf Zehenspitzen laufen.

Wenn ich heute einen neuen Aktivstall oder eine frisch gebaute Reitanlage sehe, denke ich oft: Wow. Durchdacht. Ordentlich. Wunderschön.

Und fast gleichzeitig kommt mir ein zweiter Gedanke:

Wie sieht dieser Stall in fünf oder zehn Jahren aus?

Ein Pensionsstall wird jeden Tag von vielen Menschen und Pferden genutzt. Natürlich entsteht dabei Schmutz. Natürlich geht einmal etwas kaputt. Und natürlich sieht ein Betrieb nach Jahren nicht mehr aus wie am Tag der Eröffnung.

Wenn aber niemand darauf achtet, wie er Dinge hinterlässt, Schäden nicht gemeldet werden und am Ende immer der Stallbetreiber hinter allen herräumt, sieht man einer Anlage das irgendwann an.

Nur: Das andere Extrem möchte ich genauso wenig.

Einen Stall, der nur deshalb makellos aussieht, weil die Einsteller ständig Angst haben, etwas falsch zu machen.

Ich kenne Menschen, die mir erzählt haben, dass sie in früheren Ställen schon nervös wurden, sobald der Stallbetreiber um die Ecke kam.

Habe ich alles weggeräumt?
Habe ich etwas vergessen?
Werde ich gleich wieder angesprochen?

Irgendwann läuft man tatsächlich auf Zehenspitzen über den Hof.

Genau das möchte ich bei uns nicht.

Ich möchte mit unseren Einstellern sprechen können. Über ihre Pferde, über Veränderungen, über Dinge, die gut laufen, und über Dinge, bei denen wir gemeinsam eine Lösung brauchen.

Denn gerade im Pensionsstall ist Kommunikation keine Nebensache.

Gleichzeitig wünsche ich mir, dass mit unserem Hof sorgsam umgegangen wird. Dass man seinen Dreck wegmacht. Dass man etwas meldet, wenn es kaputtgeht. Und dass man nicht denkt: Wird schon jemand anderes machen.

Den perfekten Mittelweg habe auch ich nach all den Jahren nicht gefunden.

Aber meine Vorstellung ist eigentlich ganz einfach:

Ich möchte einen Hof, auf den wir alle gerne kommen – und mit dem wir gerade deshalb auch sorgsam umgehen.

03/09/2026

Was ist eigentlich euer Geheimnis bei der Haltung von atemwegskranken Pferden?

Diese Frage haben mir zwei Interessentinnen am Ende einer Hofführung tatsächlich gestellt: „Was ist Ihr Geheimnis? Was ist das Wundermittel, damit es bei Ihnen funktioniert?“

Meine Antwort? Eigentlich ziemlich unspektakulär: Es gibt keins. Wir haben keine geheime Zutat. Und wir tanzen auch nicht bei Dreiviertelmond ums Lagerfeuer. 😉

Im Gegenteil: Ich kann ziemlich transparent zeigen, was wir hier machen. Und vieles davon ist nicht einmal außergewöhnlich. Andere Betriebe füttern ebenfalls Heulage, achten auf staubarme Einstreu, viel Bewegung, frische Luft oder gutes Raufuttermanagement.

Vielleicht suchen wir manchmal nur an der falschen Stelle nach dem „Geheimnis“.

Denn möglicherweise liegt der entscheidende Unterschied gar nicht in einer einzelnen Maßnahme, sondern darin, wie viele Faktoren zusammenspielen – und nach welchem Prinzip die vielen kleinen Entscheidungen eines Stalltages getroffen werden.

Welches Raufutter setzen wir ein? Wo entsteht Staub? Wie bewegen sich die Pferde durch den Aktivstall? Was beobachten wir am einzelnen Pferd? Und vor allem: Was verändern wir, wenn wir feststellen, dass etwas in der Praxis nicht so funktioniert wie gedacht?

Denn eine einzelne gute Maßnahme macht noch kein Gesamtkonzept.

Für uns bedeutet Spezialisierung deshalb nicht, irgendwann ein fertiges Konzept zu haben und daran für immer festzuhalten. Sie bedeutet: beobachten, hinterfragen, anpassen – und manchmal Entscheidungen wieder verändern.

Natürlich gibt es auch bei uns keine Garantie, dass jedes Pferd beschwerdefrei wird. Atemwegserkrankungen gehören diagnostiziert und gegebenenfalls tierärztlich behandelt. Aber Haltung ist das Umfeld, in dem ein Pferd Tag für Tag lebt.

Vielleicht ist unser „Geheimnis“ deshalb am Ende gar keines. Es sind viele sichtbare und unsichtbare Entscheidungen, die immer wieder an derselben Frage ausgerichtet werden:

Was können wir im täglichen Umfeld dieser Pferde besser machen?

31/08/2026

Was Pensionsstall eigentlich bedeutet … wenn aus fünf Minuten plötzlich zwei Stunden werden.

Eigentlich wollte man nur kurz nach einem Pferd schauen. Fünf Minuten vielleicht.

Doch irgendetwas passt nicht. Es läuft anders als sonst, frisst nicht wie gewohnt, steht auffällig da oder man sieht eine kleine Verletzung, bei der man erst einmal herausfinden muss, was genau passiert ist.

Und dann beginnt etwas, das sich in keinem Arbeitsplan wirklich vorhersehen lässt. Man beobachtet noch einmal genauer, holt das Pferd vielleicht aus der Gruppe, informiert den Besitzer, hält gegebenenfalls Rücksprache mit dem Tierarzt, versorgt das Pferd oder organisiert eine weitere Kontrolle.

Aus den geplanten fünf Minuten wird plötzlich eine Stunde. Manchmal auch zwei.

Nicht, weil vorher schlecht organisiert wurde. Sondern weil wir mit Pferden arbeiten.

Natürlich gibt es in einem professionellen Pensionsstall feste Abläufe, Routinen und Arbeitspläne. Ohne sie funktioniert professionelle Pensionspferdehaltung nicht. Aber Pferde halten sich nicht an unseren Tagesplan.

Eine Lahmheit, ein Pferd, das sein Futter stehen lässt, eine beschädigte Tränke oder eine unerwartete Situation in der Herde kann innerhalb weniger Minuten die Prioritäten verändern.

Und das Entscheidende ist: Der restliche Arbeitstag verschwindet dadurch nicht.

Die Pferde müssen trotzdem gefüttert und kontrolliert werden. Die geplanten Arbeiten müssen trotzdem erledigt werden. Nur eben später, in anderer Reihenfolge oder irgendwo dazwischen.

Denn wenn etwas geklärt oder versorgt werden muss, kann man nicht sagen: „Dafür waren heute aber nur fünf Minuten vorgesehen.“

Für den Pferdebesitzer ist später vielleicht nur sichtbar: Das Problem wurde bemerkt, das Pferd wurde versorgt, alles ist geregelt.

Was man von außen häufig nicht sieht, ist die Kette an Arbeitsschritten dahinter – und wie ein einziger ungeplanter Moment den Ablauf eines ganzen Arbeitstages verändern kann.

Auch das ist Pensionsstall.

Gute Organisation bedeutet hier nicht, dass jeder Tag exakt nach Plan läuft. Sondern auch, zu erkennen, wann der Plan warten muss – und trotzdem dafür zu sorgen, dass am End

27/08/2026

Was Pensionsstall eigentlich bedeutet … wenn wir sehen, was du nicht siehst.

Du kennst dein Pferd. Du weißt, wie es schaut, wie es sich anfühlt und wann etwas irgendwie anders ist als sonst.

Aber es gibt viele Stunden am Tag, in denen du nicht bei ihm bist.

Und genau in diesen Stunden erleben wir dein Pferd.

Wir sehen, ob es morgens wie gewohnt zum Futter kommt. Ob es an seiner üblichen Stelle ruht. Wie es sich durch den Aktivstall bewegt. Mit wem es zusammensteht. Ob es beim Wechsel auf die Weide vorneweg geht oder sich heute eher zurückhält.

Wir sehen ein Pferd nicht nur in einem einzelnen Moment, sondern immer wieder über den Tag verteilt – beim Fressen, Ruhen, Laufen und im ganz normalen Miteinander der Herde.

Und manchmal fällt dabei etwas auf.

Ein Pferd braucht länger als sonst, um zur Futterstation zu kommen. Eines lässt plötzlich etwas liegen, was normalerweise zuverlässig gefressen wird. Ein anderes steht ungewöhnlich lange abseits oder bewegt sich anders als am Vortag.

Das muss nicht bedeuten, dass etwas nicht stimmt.

Aber wer Pferde jeden Tag erlebt, entwickelt ein Gefühl für ihre Gewohnheiten. Und gerade deshalb fallen Veränderungen auf.

Dann schauen wir genauer hin. Beobachten weiter. Und wenn es notwendig erscheint, geben wir dem Besitzer Bescheid.

Nicht, weil wir ein Pferd besser kennen als sein Mensch.

Sondern weil wir es in den Stunden sehen, in denen sein Mensch nicht da sein kann.

Auch das gehört für mich zu einem Pensionsstall: nicht nur füttern, misten und versorgen.

Sondern hinsehen.

Tag für Tag.

Was Pensionsstall eigentlich bedeutet …

Darüber möchte ich in dieser neuen Reihe erzählen. Über vieles, was jeden Tag passiert – und das man als Pferdebesitzer oft gar nicht sehen kann.

24/08/2026

Wie weit denken wir eigentlich voraus, bevor ein Pferd bei uns einzieht?

Bei jeder Integration erleben wir, was ein Stallwechsel für ein Pferd bedeutet: neue Umgebung, neue Abläufe, eine fremde Gruppe. Es muss sich orientieren, seinen Platz finden und Beziehungen aufbauen. Irgendwann wird aus der neuen Herde seine vertraute Gemeinschaft.

Vielleicht sollten wir genau deshalb manche Entscheidungen schon vor dem Einzug sehr bewusst treffen.

Die Entfernung zum Stall ist dafür ein gutes Beispiel. Natürlich sucht man zunächst in der näheren Umgebung. Aber manchmal gibt es dort keinen Stall, der zu den eigenen Vorstellungen oder den Bedürfnissen des Pferdes passt. Dann kann auch ein weiter entfernter Stall die richtige Entscheidung sein.

Trotzdem sollte man ehrlich überlegen, was diese Entfernung langfristig bedeutet: Fahrzeit, Spritkosten und viele Stunden über viele Jahre. Funktioniert sie auch, wenn Pferdehaltung einmal nicht nach Plan läuft? Wenn ich plötzlich morgens und abends hinfahren muss, mein Pferd Medikamente braucht oder ich kurzfristig vor Ort sein sollte?

Für mich persönlich liegt die Grenze dessen, was ich dauerhaft als alltagstauglich empfinde, bei ungefähr einer halben Stunde Fahrzeit. Wo diese Grenze liegt, muss jeder selbst entscheiden.

Natürlich wissen wir nicht, was in zehn oder fünfzehn Jahren ist. Beruf, Familie, Wohnort oder finanzielle Möglichkeiten können sich verändern. Auch ein Pferd kann eine andere Haltung benötigen. Manchmal verändert sich auch ein Stall so, dass ein Wechsel die richtige Entscheidung ist.

Darum geht es mir ausdrücklich nicht.

Mir geht es um das, was wir heute schon wissen und absehen können.

Denn irgendwann ist ein Pferd angekommen. Es kennt seine Umgebung, hat seinen Platz in der Gruppe und vielleicht enge Sozialpartner gefunden. Bei einem erneuten Wechsel muss vieles davon wieder neu entstehen.

Vielleicht gehört genau das zur Demut vor einem Pferd: Wir können die Zukunft nicht planen. Aber wir können das, was wir heute schon wissen, verantwortungsvoll entscheiden.

Nicht nur: Passt dieser Stall heute in mein Leben?

Sondern auch: Was bedeutet meine Entscheidung langfristig für mein

20/08/2026

Den Job deines Pferdes in der Herde suchst nicht du aus.

Manche Pferde haben bei uns eine besondere Rolle, wenn neue Pferde in die Gruppe kommen.

Nicht, weil wir sie dafür ausgesucht hätten. Sondern weil die Neuen sich an ihnen orientieren.

Sie suchen ihre Nähe, laufen ihnen hinterher, ruhen bei ihnen und reagieren natürlich auch, wenn dieser neue Bezugspartner plötzlich aus der Gruppe geholt wird.

Und dann kann es passieren, dass du als Besitzer zu deinem Pferd kommst und merkst: Heute ist es müde. Heute ist es weniger bei dir. Oder das neue Pferd ruft, sobald du deines zum Putzen oder Reiten mitnimmst.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Pferde jetzt dauerhaft „aneinanderkleben“.

Es ist zunächst einmal Teil dessen, was in einer Herde passiert.

Denn eine Integration betrifft nicht nur das Pferd, das neu einzieht. Sie verändert für eine gewisse Zeit die Dynamik der ganzen Gruppe. Manche Pferde beschäftigt das kaum. Andere sind deutlich stärker eingebunden.

Und auch ein Pferd, das seit Jahren in derselben Herde lebt, kann deshalb während einer Integration vorübergehend mehr Ruhe brauchen.

Genau das gehört für mich zur Gruppenhaltung dazu.

Wir entscheiden, in welcher Haltungsform unsere Pferde leben. Aber wir entscheiden nicht, mit wem sie Freundschaften schließen, wem sie aus dem Weg gehen oder an wem ein Neuankömmling Orientierung sucht.

Und manchmal bedeutet das für uns Besitzer auch, die eigenen Pläne für einen Tag zurückzustellen, weil unser Pferd gerade mit etwas anderem beschäftigt ist.

Ein paar Tage später sieht die Welt meistens schon wieder ganz anders aus.

Ich finde genau das schön an einer funktionierenden Pferdegruppe:

Unsere Pferde führen dort ein eigenes soziales Leben.

Und manchmal gehört dazu, dass dieses soziale Leben für einen Moment wichtiger ist als unser Plan für diesen Tag.

17/08/2026

Vor wenigen Tagen zog ein Pferd bei uns in den Aktivstall ein.

Am Abend fuhr seine Besitzerin noch einmal in den Stall. Sie rief nach ihm – so wie sie es im alten Stall immer getan hatte.

Doch diesmal kam er nicht.

Nicht, weil er sie vergessen hatte.
Nicht, weil ihm etwas fehlte.

Er blieb einfach bei den anderen Pferden.

Als sie zu ihm ging, begrüßte er sie freundlich. Er ließ sich streicheln, freute sich über ihren Besuch. Aber nach kurzer Zeit wandte er sich wieder seiner neuen Herde zu.

Später erzählte sie, wie glücklich sie darüber war.

Nicht, weil ihr Pferd sie weniger liebt.

Sondern weil sie das Gefühl hatte, dass es endlich dort angekommen war, wo ein Pferd ankommen sollte: mitten unter anderen Pferden.

Eine andere Pferdebesitzerin sagte darauf:
“Darüber wäre ich traurig. Ich möchte, dass mein Pferd immer zu mir kommt.”

Ich musste über diesen Satz nachdenken.

Denn wir messen unsere Beziehung zum Pferd oft daran, wie sehr es uns sucht.

Vielleicht sollten wir sie manchmal lieber daran messen, wie sicher sich unser Pferd auch ohne uns fühlt.

Ein Pferd, das in seiner Herde Geborgenheit findet, verliert seinen Menschen nicht.

Es gewinnt etwas zurück, das wir ihm allein niemals vollständig ersetzen können.

Und genau das wünsche ich jedem Pferd.

13/08/2026

„Wann kann ich mein Pferd nach der Integration wieder reiten?“

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Manche Pferde wirken schon nach wenigen Tagen wieder entspannt, andere brauchen deutlich länger. Deshalb empfehle ich immer: Beobachtet euer Pferd genau und hört auch ein Stück weit auf euer Bauchgefühl. Lieber einen Tag länger warten als einen Tag zu früh wieder mit der Arbeit beginnen.

Denn eine Integration in einen Aktivstall bedeutet für ein Pferd weit mehr als nur den Wechsel in eine neue Herde.

Es muss herausfinden, wie diese Gruppe funktioniert: Wer ist ranghöher? Wem kann ich vertrauen? Wem gehe ich besser aus dem Weg? Wo kann ich in Ruhe fressen? Mit wem kann ich mich zusammenschließen? Es lernt soziale Regeln, beobachtet die anderen Pferde und muss seinen eigenen Platz finden.

Gleichzeitig verändert sich für ein ehemaliges Boxenpferd körperlich sehr viel. Es bewegt sich plötzlich deutlich mehr und legt über den Tag viele Wege zurück. Muskulatur, Sehnen, Bänder, Hufe und Stoffwechsel müssen sich an diese neue Eigenbewegung gewöhnen.

Und auch mental passiert enorm viel. Neue Pferde, neue Abläufe, neue Geräusche, neue Futterplätze und eine völlig andere Tagesstruktur müssen verarbeitet werden. Das kostet Energie.

Deshalb erlebe ich immer wieder Pferde, die nach der Integration zunächst deutlich müder sind. Das sollte man ernst nehmen und ihnen die nötige Ruhe zugestehen.

Wirkt ein Pferd erschöpft, schläft viel oder ist noch ständig damit beschäftigt, seine neue Umgebung und die Herde zu beobachten, darf das Reiten erst einmal in den Hintergrund treten.

Natürlich gibt es Pferde, die scheinbar problemlos ankommen und schon nach kurzer Zeit wieder normal gearbeitet werden können. Nach meiner Erfahrung sind sie eher die Ausnahme. Manche Pferde brauchen Tage, andere einige Wochen.

Eine Integration ist schließlich nicht abgeschlossen, nur weil ein Pferd mit in der Herde läuft. Es braucht Zeit, bis es körperlich, mental und sozial wirklich angekommen ist.

Und diese Zeit dürfen wir ihm geben.

10/08/2026

Es gibt Momente, die mich mehr freuen als jedes Untersuchungsergebnis.

Nicht, wenn ein Pferd weniger hustet.
Nicht, wenn ein Befund besser aussieht.

Sondern wenn ich irgendwann – oft nur nebenbei – höre, was Pferd und Mensch plötzlich wieder gemeinsam erleben.

Ich bekomme das gar nicht immer direkt erzählt. Häufig höre ich es über Umwege oder im Gespräch mit anderen Einstellern.

Dann heißt es plötzlich, dass ein Pferd viel gelassener geworden ist. Dass gemeinsame Unternehmungen selbstverständlich werden. Dass Dinge möglich sind, die sich vorher niemand vorstellen konnte.

Genau das berührt mich.

Denn am Ende geht es nicht nur darum, Atemwege oder Haltungsbedingungen zu verbessern. Es geht darum, dass Pferde Lebensqualität gewinnen – und dadurch auch der gemeinsame Alltag leichter und unbeschwerter wird.

Besonders schön ist, dass ich diese Entwicklung längst nicht nur bei unseren Atemwegspferden beobachte.

Natürlich profitieren Pferde mit Atemwegserkrankungen oft besonders deutlich von einer optimierten Umgebung. Aber auch gesunde Pferde verändern sich in einer Haltung, die ihren natürlichen Bedürfnissen möglichst nahekommt. Mehr freie Bewegung, Sozialkontakte und ein strukturierter Alltag können sich nicht nur körperlich, sondern auch auf das Verhalten auswirken.

Und bei einem Pferd mit Atemwegsproblemen kommt noch etwas hinzu: Nicht frei durchatmen zu können oder in schweren Phasen regelrecht um Luft ringen zu müssen, bedeutet eine enorme Belastung für den Organismus. Wie ein Pferd das empfindet, können wir Menschen nicht wissen.

Wenn diese Belastung nachlässt, erleben Besitzer häufig noch eine andere Veränderung: Ihr Pferd wirkt gelassener, ausgeglichener und wieder neugieriger.

Und genau solche Rückmeldungen sind für mich etwas Besonderes: wenn Besitzer plötzlich Dinge mit ihrem Pferd erleben können, die früher undenkbar erschienen.

Der Umgang wird leichter. Gemeinsame Zeit wird wieder unbeschwerter.

Für mich ist genau das der eigentliche Erfolg guter Haltung:

Nicht nur weniger Symptome, sondern mehr Lebensqualität – für das Pferd und für den Menschen an seiner Seite.

Adresse

Marderweg 60
Mannheim
68219

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