31/08/2025
In den 70-er Jahren gab es lustige Tennislehrbücher, in denen anhand von Bilderreihen die "richtige Technik" dargestellt wurde, die die meisten Coaches dann auch für die Spieler:innen "verbindlich" machten. Björn Borg meinte jedoch schon damals, dass er froh sei, dass er trotz seiner vielen Trainer so gut geworden sei und empfahl, zu experimentieren und eigene Wege zu gehen. Heute sind die (Technik-)Lehrbücher aus den Bücherregalen verschwunden. Die dem Psychologen Ericsson zugeschriebene These, dass man jede Bewegung 10 000 Stunden exakt ausführen müsse, bis sie "funktioniere" geistert immer noch durch die Medien. Dass Ericsson später klarstellte, dass er völlig falsch interpretiert wurde, hilft da nicht viel. Es steckt immer noch in den Köpfen vieler Coaches. Mittlerweile sollten wir, wenn wir die Forschung und die Entwicklung der Trainingsmethodik betrachten, eigentlich weiter sein. Selbst die "funktionale Bewegungsanalyse" die sich mehr auf die biomechanischen und physikalischen Grundprinzipien konzentrierte und das technikorientierte Lehren ins Wanken brachte, ist heute umstritten. Lernen, auch das motorische Lernen, ist am effektivsten, wenn wir mit Schwankungen (Wolfgang Schöllhorn) und mit vielen Variationen in möglichst spielorientierten Trainingsbedingungen arbeiten. Das führt auf das Bewegungslernen in der weitestgehend verschollenen Straßenspielkultur zurück. Die "beste Technik" hatten die Fußballer, die sich in ihrer motorischen Entwicklung mit holprigen Spielflächen, mit unterschiedlichsten Bällen, ... auseinandersetzen mussten (ich empfehle einen Blick auf www.innercoaching-blog.de , dort das Interview mit Johan Cruyff). Sie konnten diese Technik dadurch auch unter schwierigen Bedingungen kreativ nutzen. Die Forschung zum Variationslernen, differenziellen Lernen, zu non-direktiver Trainingsmethodik und vielen anderen Forschungsansätzen aus dem Sport führen auf ein attraktivere und effektivere Wege des Tennis Lernens. Wo vielleicht in der Diskussion oft das Missverständnis liegen mag ist, dass sich auf diesen modernen Wegen natürlich eine effektive individuelle Technik entwickelt! Doch diese braucht nicht die traditionelle Vorstellung von der "richtigen Technik" sondern ist ein ziel- und lösungsorientiertes, selbstorganisiertes Ergebnis aus vielfältigen Situationen, Variationen, individuellen Voraussetzungen und biomechanischen Grundprinzipien.
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