21/07/2023
Die drei Wünsche
Ein alter Mann und sein Hund wanderten einen Weg durch den Wald entlang.
An seinem Leibe trug er alte und abgenutzte Kleider, auf seinem Rücken tragend einen kleinen Beutel mit allem was er besaß.
Irgendwann kam er an einem großen Tor vorbei neben dem ein Wächter stand.
Der Wächter des Tores sprach:
"Werter Wanderer, ich bin der Wächter dieses Tores. Ich lasse dich und deinen Gefährten hindurch gehen, aber vorher gewähre ich dir einen Wunsch. Wähle diesen Weise."
Der alte Mann war überrascht und überlegte kurz.
"Ich bin schon lange unterwegs und meine Kleider sind alt und dreckig. Ich wünsche mir schöne saubere und neue Kleider am Leibe zu tragen!"
"Dein Wunsch sei dir erfüllt!" sprach der Wächter und ließ die beiden durch das Tor gehen.
Als der alte Mann mit seinem Hund das Tor durchquerte, verschwanden seine alten und dreckigen Kleider und er trug dafür wunderschöne und teure neue Gewänder an seinem Leibe.
Während er sich über die Erfüllung seines Wunsches freute, sah er wie das Fell seines Hundes plötzlich dreckig und zersaust wurde.
Der alte Mann dachte sich nichts weiter dabei und so wanderten er und sein Hund ihres Weges weiter durch den Wald. Immer tiefer hinein.
Nach einer Weile kamen die beiden an einem zweiten Tor vorbei. An diesem stand wieder ein Wächter und auch er sprach:
"Werter Wanderer, ich bin der Wächter dieses Tores. Ich lasse dich und deinen Gefährten hindurch gehen, aber vorher gewähre ich dir einen zweiten Wunsch. Wähle diesen Weise."
Der alte Mann war ganz überrascht noch einen Wunsch erfüllt zu bekommen:
"Ich bin arm und besitze nichts. Ich wünsche mir einen großen Lederbeutel voller Münzen!"
"Dein Wunsch sei dir erfüllt." sprach der Wächter und ließ die beiden wieder durch das Tor gehen.
Als der Wanderer mit seinem Hund durch das Tor ging, hing an seinem Gürtel ein großer Lederbeutel randvoll gefüllt mit Goldmünzen.
Der alte Mann lachte vor Freude.
Er nahm den Beutel in die Hand und sah zu seinem Hund herunter.
Aufeinmal wurde sein Hund immer dünner und dünner. Seine Rippen schauten bereits hervor.
Wieder dachte sich der alte Mann nichts dabei und ging des Weges weiter.
Als sie erneut an einem Tor ankamen und dort wieder einen Wächter stehen sahen, wusste der alte Mann bereits was ihn erwarten würde.
"Werter Wanderer, ich bin der Wächter dieses Tores. Ich lasse dich und deinen Gefährten hindurch gehen, aber vorher gewähre ich dir noch einen dritten Wunsch. Wähle diesen Weise."
Der Wanderer überlegte nicht lange und sprach:
"Ich habe schöne neue Kleider und einen Beutel voller Münzen aber ich bin alt. Ich möchte wieder jung sein!"
"Auch dieser Wunsch sei dir erfüllt.", sagte der Wächter und ließ die beiden durch das Tor.
Nachdem der alte Mann und sein Hund durch das Tor gingen erfüllte sich sein Wunsch und er wurde wieder jung.
Er sah zu seinem Hund herunter und bemerkte erneut das sich etwas veränderte.
Sein Hund fing aufeinmal an überall graues Fell zu bekommen und zu altern. Mit jedem Schritt wurde der Hund wackeliger auf seinen Beinen und ging immer langsamer.
Der Mann konnte sich nicht erklären warum dies aufeinmal passierte und dachte erneut nicht weiter darüber nach. Er nahm seinen Hund auf die Arme und trug ihn weiter den Weg entlang.
Die beiden gingen sehr lange, es wurde zwischenzeitlich immer dunkler und der Hund wurde immer schwächer und schwächer.
Der Wanderer fing an, sich langsam große Sorgen um seinen Hund zu machen.
Allmählich schien ihr Weg zu enden, wieder stand der Mann an einem Tor.
Dieses Tor war aber anders als die anderen Tore die er gesehen hatte.
Es war viel größer und glänzte prachtvoll.
Der Wanderer wusste mittlerweile was ihn erwarten würde und sogleich wollte er wieder seinen Wunsch äußern doch der Wächter unterbrach ihn sofort:
"Werter Wanderer. Ich bin der Wächter dieses Tores. Dies ist das letzte Tor auf deinem Wege.
Du hast drei Tore bereits durchquert und jedesmal wurde dir ein Wunsch gewährt.
Du hast dir neue Kleider gewünscht und bekommen.
Einen Lederbeutel voller Münzen hast du dir gewünscht, auch dies wurde dir gewährt.
Und deine Jugend wurde dir wieder zurückgegeben, dies war dein dritter Wunsch.
Doch haben dich deine Wünsche glücklich gemacht?
Sehe deinen Gefährten an den du im Arme hälst.
Ist dir etwas aufgefallen?"
Der Wanderer schaute seinen Hund an und sah wie er sich verändert hatte.
Sein Fell war dreckig, zersaust und grau. Er war sehr dünn und schwach geworden. Man sah ihm an das der Hund auch sehr alt geworden war. Seine Augen waren trüb und er fing an immer schwächer zu atmen.
Der Wanderer wusste das sein Hund langsam zu sterben begann.
Der Wächter sprach weiter:
"Deine Wünsche waren nicht umsonst.
Jedesmal wenn dir ein Wunsch gewährt wurde, forderte dieser einen Tribut ein.
Du solltest deine Wünsche weise wählen, aber du hast diese nicht weise genug gewählt.
Du hast nur an deinen Vorteil gedacht und dabei das wichtigste vergessen.
Sehe was mit deinem Gefährten passiert.
Er wird dich sehr bald verlassen und du wirst ohne ihn weitergehen müssen."
Der Wanderer fiel auf die Knie , legte seinen Hund vor sich ab und begann in Tränen auszubrechen.
Er würde schon sehr bald seinen Freund verlieren und ohne ihn weiterziehen müssen.
Der Wächter schaute den Wanderer und legte seine Hand auf dessen Schulter:
"Wenn du so sehr um deinen Freund trauerst, so will ich dir einen allerletzten Wunsch gewähren. Aber diesmal überlege sehr genau was du dir wünschst. Bedenke das alles was du dir gewünscht hast jedesmal etwas eingefordert hat. Also wähle diesmal weise!"
Der Wanderer schloss seine Augen und überlegte wirklich sehr lange.
"Egal was ich mir gewünscht habe, an nichts von dessem kann ich mich je erfreuen wenn mein Gefährte nicht mehr bei mir ist. Ich wünsche mir das alles wieder genauso ist wie vorher!"
Der Wächter trat zurück und öffnete das Tor:
"Dieser Wunsch ist weise gewählt.
Ich werde ihn dir gewähren.
So nehme deinen Gefährten und gehe nun durch das Tor deines Weges weiter und erfreue dich an deiner Entscheidung."
Der Wanderer nahm seinen Hund und ging hindurch.
Er wurde wieder alt, an seinem Leibe trug er seine alten Kleider und der gefüllte Beutel mit den Münzen verschwand.
Sein Hund den er im Arme trug, wurde dafür wieder jung, er wurde kräftiger und sein Fell begann gesund und glänzend zu werden.
Text: Welt der Hunde