26/01/2022
Interessanter Strandfund
Seepferdchen in Deutschland? Vor einigen Tagen haben Naturschutzwarte auf der ostfriesischen Insel Wangerooge zwei Kurzschnäuzige Seepferdchen (Hippocampus hippocampus) gefunden. Eigentlich waren sie im Dienst der Sauberkeit unterwegs, um Müll aufzusammeln, und haben nun der Wissenschaft einen Dienst erbracht: Die beiden toten Tiere wurden eingefroren und können nun weiter untersucht werden.
Bis in die 1930er-Jahre kam diese Art im deutschen Wattenmeer vor. Eine Pilzinfektion zerstörte damals die Seegraswiesen, den Lebensraum der Seepferdchen. In den vergangenen Jahren sind vereinzelte Exemplare des Kurzschnäuzigen Seepferdchens an Stränden der Nordsee angespült worden. Auf naturgucker.de hat gerade erst am 6. Januar ein Aktiver einen solchen Fund auf Juist gemeldet und mit einem Foto dokumentiert. Laut der Schutzstation Wattenmeer (https://www.facebook.com/schutzstation) sind im Januar 2022 bereits acht Funde dokumentiert.
Forschende sind sich noch nicht einig darüber, ob die Funde eine Rückkehr der Art andeuten, oder ob es sich um einzelne Exemplare handelt, die von starken Strömungen ins Wattenmeer der Deutschen Bucht transportiert wurden. Helfen können hier aufmerksame Beobachtende, wenn sie sich bei ihren Strandspaziergängen auch das ablagerte Material im Spülsaum einmal näher anschauen und ihre möglichen Funde melden (siehe unten).
Seepferdchen sind Knochenfische und gehören zur Familie der Seenadeln (Syngnathidae). Sie kommen weltweit in tropischen und gemäßigten Meeren vor. Das Kurzschnäuzige Seepferdchen lebt in seichten Gebieten im Ostatlantik von der Nordsee bis zu den Azoren und Kanaren, an der afrikanischen Küste bis Guinea sowie im Mittelmeer.
In Seegraswiesen verankert es sich mit seinem Greifschwanz und lauert auf Beute – tierisches Plankton, kleine Garnelen und Krebse. Wenn diese vorbeischwimmt, saugt es sie durch das zahnlose, röhrenförmige Maul wie mit einem Strohhalm ein. Namensgebend für die Art ist die im Vergleich kurze Schnauze, die weniger als ein Drittel der Körperlänge ausmacht und leicht nach oben gebogen ist. Es kann bis zu 13 Zentimeter lang werden.
Auf naturgucker.de gibt es nur sehr wenige Meldungen: https://naturgucker.de/?art=-2054735852. Die meisten stammen vom Projekt BeachExplorer, das Bestimmungshilfen und Wissenswertes über Strandfunde an der Nordsee bietet, Fundmeldungen aufnimmt und sie zur wissenschaftlichen Erforschung unserer Küsten (und an naturgucker.de) weiterleitet: https://www.beachexplorer.org/. Wir beobachten mit Spannung, ob sich die Zahl der Beobachtungen in Zukunft erhöht.
Foto: Fund eines Kurzschwänzigen Seepferdchens am 6. Januar 2022 auf Juist; Abbildung von Hartmut Mai/naturgucker.de
isi/naturgucker.de