13/08/2026
Was erwartet euch in diesem Selbstverteidigungskurs?
Viele denken bei einem Selbstverteidigungskurs zuerst an ein bisschen Smalltalk und ein paar einfache Techniken. Aber dieser Kurs geht deutlich weiter und ist deshalb auch in mehrere Bereiche unterteilt.
Natürlich werden wir praktische Techniken lernen und regelmäßig wiederholen. Dabei schauen wir aber auch ganz genau hin: Welche Techniken sind wirklich sinnvoll? Warum funktionieren manche nicht bei jeder Frau? Und welche bekannten „Selbstverteidigungstipps“ sehen vielleicht gut aus, helfen im Ernstfall aber kaum oder funktionieren überhaupt nicht? Wir nehmen gemeinsam einige Mythen auseinander und sprechen ehrlich darüber, was realistisch ist und was nicht.
Ein weiterer Teil beschäftigt sich mit den rechtlichen Grundlagen. Wir sprechen unter anderem über das Waffenrecht, darüber, was man zur Selbstverteidigung mitführen darf, was verboten ist und wo die rechtlichen Grenzen liegen. Denn es bringt nichts, etwas dabeizuhaben, wenn man weder weiß, ob es erlaubt ist, noch wie man verantwortungsvoll damit umgeht.
An einem unserer Termine wird, wie bereits im vergangenen Jahr, auch die Polizei anwesend sein. Dort könnt ihr eure rechtlichen Fragen direkt stellen und bekommt zusätzliche Informationen aus der polizeilichen Praxis. Und ich glaube, ihr werdet euch wundern, welche einfachen, aber wichtigen Tipps euch die Polizei mitgeben kann, die viele von euch wahrscheinlich noch nicht kannten.
Auch die psychologischen und psychosozialen Aspekte spielen eine wichtige Rolle. Was macht Gewalt mit einem Menschen? Was passiert, wenn jemand bereits körperliche oder emotionale Gewalt erlebt hat? Und warum reagieren Menschen in bedrohlichen Situationen ganz unterschiedlich? Gewalt bedeutet nämlich nicht nur Schlagen oder Treten. Auch emotionale Gewalt kann tiefe Spuren hinterlassen.
Der praktische Teil kann stellenweise intensiv sein. Trotzdem wird bei uns niemand zu etwas gedrängt. Keine Frau muss sofort nah an eine andere Person herangehen, treten, schlagen oder eine Situation durchspielen, für die sie noch nicht bereit ist. Wir führen euch langsam an die Übungen heran. Jede Frau hat ihr eigenes Tempo, ihre eigenen Grenzen und ein eigenes Gefühl dafür, was gerade möglich ist. Genau das wird respektiert.
Wir sprechen außerdem über Ängste und typische Vorstellungen. Viele Frauen sagen, dass sie besonders nachts draußen Angst haben. Diese Sorge nehmen wir ernst, und natürlich darf man auch nicht wegreden, dass es Straftaten im öffentlichen Raum gibt. Gleichzeitig zeigt das aktuelle Lagebild des Bundeskriminalamtes sehr deutlich, dass Gewalt gegen Frauen sehr häufig im persönlichen Umfeld stattfindet.
Für das Jahr 2024 registrierte das Bundeskriminalamt insgesamt 265.942 Opfer häuslicher Gewalt, so viele wie nie zuvor. Rund 70 Prozent der Betroffenen waren Frauen. Gewalt geschieht also nicht nur durch fremde Menschen auf einer dunklen Straße. Sie findet sehr häufig in Partnerschaften oder innerhalb der Familie statt, oftmals genau dort, wo man sich eigentlich sicher fühlen sollte.
Ich begleite diesen Kurs nicht nur als Trainerin. Ich bin psychologische Beraterin und Trauma-Fachberaterin und arbeite bereits seit vielen Jahren im Bereich der Gewaltprävention. Darüber hinaus beherrsche ich drei unterschiedliche Kampfsportarten sowie eine Form der Selbstverteidigung. Auch nach all den Jahren bilde ich mich regelmäßig weiter und lerne immer noch dazu, sowohl im praktischen Bereich als auch zu psychologischen und rechtlichen Themen.
Mein Ziel ist nicht, euch Angst zu machen. Mein Ziel ist, euch Wissen, realistische Möglichkeiten und mehr Sicherheit mitzugeben, körperlich und mental. Ihr sollt lernen, Situationen besser einzuschätzen, Grenzen wahrzunehmen, klar zu handeln und herauszufinden, was für euch persönlich wirklich funktioniert.
Ich freue mich, eine spannenden Zeit mit euch zu haben.