15/04/2026
Der Algorithmus
Die Fotografie ist mein persönlicher Weg zum Naturerlebnis. Wenn ich auf den Auslöser drücke, ist bereits so viel passiert: Der Weg durch den Wald hat mich zur Ruhe kommen lassen und das Motiv hat meine Sinne berührt, so wie diese Buchen, die vom Licht der angrenzenden Wiese erzogen wurden. Ich habe mich auf den Ort eingelassen und meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Beim Betrachten dieser Szene fiel mir dann eine Parallele zu unserer Medienlandschaft auf: Informationen sind unser Licht zur frei bestimmten Selbstentfaltung. Aber wie sieht es mit unserem freien Willen aus, wenn Vielfalt unserer Medien immer weiter abnimmt? Wenn nur noch Algorithmen entscheiden, was wir zu lesen bekommen? Wenn wir uns im Sumpf der Plattformen nur an den Irrlichtern der KI-generierten Algorithmen orientieren? Werden wir dann auch so deformiert wie diese Bäume? Es liegt hauptsächlich an uns. Das Internet bietet viel mehr als Instagram, TikTok und Facebook. Es ist unser Wille, hin und wieder den faszinierenden, jedoch auch toxischen Sumpf dieser Algorithmen zu verlassen, um sich andere Lichtquellen zu erschließen. Denn anders als die Bäume können wir unseren Standort wechseln. Es ist schließlich der freie Wille, der uns zum Menschen macht…
Holly, meine Labradorhündin, hatte dann meine Gedankengänge unterbrochen. Sie wartet eigentlich geduldig auf ihrer Platzdecke, bis ich meine Arbeit erledigt habe. Aber mein stilles Sitzen auf einem Baumstamm wurde ihr dann doch irgendwann zu langweilig. Mit leisem Fiepen mahnt sie zur Action.
Also habe ich meinen Standort und das Licht überprüft und entschieden, was ins Bild gehört und was nicht. Kurz gesagt, ich war auf den Ort fokussiert. Und als ich glaubte, das Wesen des Ortes erfasst zu haben, drückte ich den Auslöser. Ich war Zeuge eines Momentes, der durch meine Anwesenheit entstanden ist und so nie wieder kommt. Mein Bild ist ein Zeugnis dieses Moments.