01/12/2021
[Spielbericht 6. Spieltag]
Sieben auf einen Streich
Liebe Gemeinde,
Hier bin ich mal wieder und es gibt einiges zu erzählen!
Am Samstag, den 27.11. schickte uns die in das weltbekannte Poststadion, dem Zuhause des berühmt-berüchtigten Berliner Athletik Klub 07, berühmt dank Nader El-Jindaoui, berüchtigt durch die wohl schlimmste Vereinshymne des bezahlten Fußballs (ja, schlimmer als Rot-Weiß Erfurt). Doch natürlich durften wir nicht das Stadionrund betreten, man gab uns den Trainingsplatz direkt neben dem Vabali. Während dort die Menschen bei 3°C für eine Sauna Schlange standen, durfte eure SGD zunächst einmal das Spiel der 2. Uniliga zwischen RB Vodka und Pinchos Berlinos pfeifen.
Mit einem Linienrichter, der statt einer Fahne die Zigarette hob, einem Edelfan mit Pilsette in der Hand und einem Coach, der die Partie anging wie jedes Kreisklassespiel, das er in seinem Leben pfiff, entstand ein kurzweiliges, zwischendurch leicht hitziges Match, dass die Bullen für sich entscheiden konnten. Gut für uns, schließlich stellten die Vodkaflaschen die Schiedsrichter für unser Spiel.
Unser heutiges Spiel sollte gegen einen Liganeuling gehen, dem FC Roter Sterni 04. Ein erstes Kennenlernen mit ihrer Trainerlegende fand schon nach unserem Spiel gegen den FC Hansaplatz statt. Was haben wir gemeinsam lachen müssen. Ab diesem Zeitpunkt war uns klar, das Spiel gegen den Roten Sterni kann nur ein Festtag für Fussballästheten werden, ein Duell der Promillekönig*innen. Nicht zu vergessen sei auch, endlich, nach Jahren der Tristesse, spielten wir mal wieder gegen ein Mixed Gender Team. Schöner konnte es eigentlich kaum werden.
Punkt 12 Uhr, als der Schiedsrichter anpfeifen wollte, zeigte sich auch die Professionalität beider Teams. 7 Spieler*innen waren auf beiden Seiten zugegen, eigentlich genug für ein Kleinfeldspiel (was auch den zuletzt getesteten Laktatwerten der Dosen entsprechen würde), doch zu wenig für die Bedingungen, die in den Knebelverträgen der Fußballmafia stehen. So dauerte es noch gut 10 Minuten, bis beide Teams vollzählig waren und das Spiel beginnen konnte.
Dynamo begann wie ein Feuerwerk, beflügelt durch den Koffer des Glücks. ** Jetzt erhältlich im Fanshop ihrer Wahl oder auf sgdynamodosenbier.wixsite.com. **
Seitdem dieser an der Seitenlinie beim Coach steht, sammelt Dynamo die drei Punkte wie Hertha BSC Sympathiepunkte verliert (Wie kann man denn Pal Dardai durch Tayfun Korkut ersetzen? Leute, ich bitte euch!).
Von Anpfiff weg drängten eure Dosen die Sternis in ihre eigene Hälfte, glänzte durch ein variables Flügelspiel, punktgenauen Seitenverlagerungen und dem absoluten Willen, früh in Führung zu gehen. Einzig am letzten Pass sollte es wieder scheitern. Dies muss einfach in der Spielanalyse aufgearbeitet werden. Dieser Appell, geäußert durch unsere altgediente Fangarde , wurde von der Geschäftsführung Sport, CEO Lolo Insta, erhört. Umgehend wurde das Vitamin B in die Wege geleitet und die 40 Suiten des Ritz Carltons gemietet sowie, in Absprache mit dem Berliner Fußballverband, das Olympiastadion als Trainingsplatz.
Nach 11 Minuten konnten die Statistiknerds die erste Großchance für das Dosenbier verzeichnen. Einstudiert im Vorbereitungstrainingslager auf Mallorca, zeigte sich hier, wie schon so oft in dieser Saison, unsere Gefährlichkeit nach Standardsituationen. Eine präzise geschlagenen Ecke unseres Großmeisters der ruhenden Bälle, VH7, landete direkt auf dem Fuß des Offensivallrounders Juli, der sich am langen Pfosten freigelaufen hat und die Pille Matthäus-Like volley nahm und RUUUUMMMS, voll an die Latte knallte. Die wartenden Gäste vor dem Vabali zollten diesem Moment angemessenen Szeneapplaus.
Drei Minuten später sollte es so weit sein, es folgt eine Wiedergabe nach Erzählungen, der Autor dieser Zeilen hing gerade Zaunfahnen auf. Auf der rechten Spielhälfte kommt es zu einem Gewusel, das stark an den guten alten F-Jugend-Fußball erinnerte. Irgendwie, niemand kann es genau sagen, landete der Ball bei unserem Judoka. Dieser spielte solch einen genialen Steckpass in den Strafraum auf Juli, Xavi gab schone eine Transferanfrage für den FC Barcelona heraus. Juli zeigte dann seinen ganzen Wert als Strafraumspieler, denn mit erhobenem Kopf sah er Deutschlands neue Sturmhoffnung in den Strafraum stürmen, TB14. Und mit dem Selbstvertrauen von vier Spielen mit Torerfolg in Serie nagelte er das Runde ins Eckige. Damit steigt seine Serie auf fünf Tore in 5 Spielen und lässt seinen Marktwert weiter explodieren. Wo war er bei der gestrigen Ballon d’Or – Verleihung?!
Eine Zeigerumdrehung später zeigten eure Dosen ein Kabinettstückchen, ja eine Hommage an die Wenger’sche Fußballschule des FC Arsenal. Wie einst Patrick Viera trieb Juri den Ball durchs Mittelfeld, passte auf den, aus dem Deckungsschatten hervorblitzenden TB14, der seine Trikotnummer in Erinnerung an die Legende Thierry Henry wählte. Dieser ließ den Ball direkt in den freien Raum abtropfen, in dem Juri starte. Dieser schloss direkt ab und ließ dem Sternikeeper keine Chance. 2:0 für eure Dosen.
Mit einer komfortablen 2:0 Führung im Rücken, drehte Dynamo jetzt einen Gang zurück. Kräfte schonen war angesagt, wir müssen ja Montag alle wieder arbeiten. Dies nutzten die Sternis gleich aus und zeigten hier die Finesse des Matchplanes ihres Coaches. Mit den präzisen langen Bällen, die ihr Innenverteidiger immer wieder schlug, stellten sie unsere Innenverteidigung immer wieder vor Probleme. Doch klärte das Innenverteidigerduo, bestehend aus VH7 und dem Top-Neuzugang, El Schridde, dies in 99% der Fälle höchst souverän.
Für einen besonderen Moment sorgte auch unser Keeper der ersten Halbzeit, Lenn. Einen abgefangenen Ball legte er sich auf den Fuß, bereit um diesen zu Spielen. Was dann folgte ein wunderbares Fallbeispiel für jede Schiedsrichter*inschulung. Paragraph 12.2 des DFB-Regelwerkes besagt: „Ein indirekter Freistoß wird gegeben, wenn der Torhüter innerhalb des eigenen Strafraums den Ball […] mit der Hand/Arm berührt, nachdem er den Ball freigegeben hat und bevor dieser von einem anderen Spieler berührt wurde.“ Was macht Lenn, nachdem er den Ball freigegeben hat? Lupft ihn sich wieder hoch und fängt ihn mit den Händen. Indirekter Freistoß für die Roten Sternis und für mich persönlich eigentlich die Szene des Spiels.
Aber worauf wollte ich eigentlich hinaus?
Achja, zum Offensivspiel des Gegners. Nach einem missglückten Abstoß in der 27. Minute dribbelt die Flügelstürmerin in den Dosenstrafraum und lässt zwei Dosen wie Pfandflaschen am Wegesrand stehen und passt den Ball in den Rückraum. Dynamo kommt zwar mit ein paar Füßen dazwischen, schafft es aber nicht, den Ball entscheidend zu klären. So kommt ein Sternist aus dem Rückraum zum Abschluss und schießt flach ins linke Eck. Tor für den FC Roten Sterni, 2:1 der Spielstand und die große Frage: Wie reagiert die einzig wahre Dynamo der Uniliga?
Die Antwort: Mit dem Selbstvertrauen eines Meisterschaftskandidaten.
In der 30. Minute nimmt sich El Schriddo ein Herz und eröffnet das Spiel hintenraus über die rechte Seite, macht ein paar Meter gut und spielt anschließend scharf über die rechte Seite auf die Transfermarktlegende Conny. Dieser startet mit Ball durch, dribbelt gut 30m bis auf die Grundlinie und spielt den Ball scharf in den Strafraum. Dort geht er an Freund und Feind vorbei, bis auf den einlaufenden Theo, der den Ball mit seinem schwächeren rechten durch die Hosenträger des Keepers einschweißt. Was eine Reaktion der Dosenbiere!
Mit 3:1 sollte es auch in die Pause gehen, zu wenig gemessen an der Vielzahl der Chancen, die hier leider keinen Platz finden. Besonders Svenja, diese Woche wieder im Sturm aufgeboten, sorgte für ein Torschussfestival in der ersten Halbzeit, jedoch hielt der Sternikeeper mehrere Male herausragend. In der 10minütigen Pause hieß es aufwärmen, kleine taktische Anpassungen vornehmen und den Promillepegel wieder auf den Standard erhöhen.
Anpfiff Hälfte ll und die Dynamo begann da, wo sie in der ersten Halbzeit aufgehört hat. Schnelles vertikales Spiel nach vorn, konsequentes Verteidigen der hohen Bälle Sternis und einen starken Fokus aufs Flügelspiel. Dynamo setzte alle Vorgaben hervorragend um, insbesondere die Umschaltmomente und Seitenverlagerungen stellten die Sternist*innen immer wieder vor Herkulesaufgaben.
In der 57. Minute sollte der nächste Streich folgen. El Schriddo führte den Ball vom eigenen Strafraum bis über die Mittellinie. Nein, er führte den Ball nicht, er marschierte mit ihm wie eine der größten Abwehrlegenden der Bundesligageschichte, der, von jedem damaligen Stürmer gefürchtete, Lúcio. Niemand von Sterni hatte auch nur den Hauch einer Chance, überhaupt in die Nähe des Balles zu kommen. In der gegnerischen Hälfte angekommen, spielte er ein Zuckerpässchen auf Domenik Zidane. Der dachte nicht lange nach und puttete den Ball ins linke untere Eck. Keine Chance für den Keeper und eine etwas entspanntere Führung für Dynamo.
Nach 70 Minuten folgte der fünfte Streich. Dauerbrenner Jasper, ausgestattet mit einer unvergleichlichen Pferdelunge, dribbelte los. In seinen Augen stand ein Traum, der Welt zu zeigen, dass er besser ist als Messi. Dem Mantra „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“ folgend, umkurvte er die Sterni-Spieler*innen wie Fahnenstangen, erst ein, dann zwei, dann drei und schließlich vier Spieler*innen ließ er stehen und spielte anschließend einen Traumpass auf Lenn, der die erste Halbzeit ja noch im Tor gestanden hatte und jetzt im Sturm auflief. Lenn ließ sich die Chance nicht nehmen und steckte den Ball am herausstürmenden Keeper vorbei, hinein ins Glück.
Dann kam der Moment, auf den die Fußballwelt gewartet, der Moment, weswegen die gesamte Presselandschaft verrückt gespielt hat. Unter dem Blitzlichtgewitter der Fachmagazine und Boulevardpresse und den Standing Ovations der Fanmassen gab der Coach sein Comeback. Nach 728 Tagen Leidenszeit, Monaten der Reha, Wochen der Vorbereitung und Stunden der Operationen stand er am Spielfeldrand bereit. Scheiße, so viel Gänsehaut hatte ich zuletzt beim Staffelfinale von Prince Charming 2019. In der 75. Minute kam unser Zielspieler Conny auf die Seitenlinie zugelaufen, klatschte mit dem Coach ab und es war endlich so weit. Mit Tränen in den Augen und dem Geruch frisch gemähten Kunstrasens in der Nase lief er nach vorne, in die Sturmspitze. Sofort war er da, bereit diesem Traumcomeback noch eine besondere Note zu verleihen und mit den frisch gegelten Haaren im Draco-Malfoy Look unterwegs, konnten ihn seine Mitspieler*innen auch einfach nicht übersehen. Mit der Präsenz eines Wayne Rooney hatte er nach anderthalb Minuten seine erste Chance. Nach Ablage von Jasper, der wieder einmal die halbe Sterniabwehr hat stehen lassen, schlenzte er den Ball aus 17m Entfernung knapp über den rechten Winkel. Ein paar Minuten später die nächste Chance für ihn. Nach einem Dribbling Richtung Strafraumgrenze, wurde der Ball flach Richtung Elfer gespielt, wo sich der Coach in alter Gerd-Müller-Manier freigeschlichen hat. Wieder nahm er die Pille direkt, setzte ihn dieses Mal aber flach rechts neben das Tor. Der Wille war ihm anzusehen, aber auch dem Team, das alles daran tat, ihn in Szene zu setzen. Im Stile Zlatans nahm er eine hohe Hereingabe volley, nur misslang ihm dieser Abschluss leider komplett. Kurze Zeit später kommt er wieder nach Vorlage von Jasper zum Torabschluss, freigespielt war er im Strafraum, nur setzt er den Torschuss aus 13m direkt auf den Keeper. Man merkte ihm die fehlende Praxis an, aber mit der Verve eines Claudio Pizarros gab er nicht auf, sondern arbeitete weiter auf seinen Moment. In der 84. Minute griff Dynamo früh an, presste die Sternis bis in den Strafraum und zwang den Keeper zu einem Befreiungsschlag. Dieser misslang jedoch in dieser Stresssituation gründlich und flog direkt auf den Coach zu, der am 16er-Rand Passwege zustellend lauerte. Er nahm den Ball mit dem ersten Kontakt optimal an, schloss mit der zweiten Berührung ab und was folgte, war das ganz große Kino auf der Bühne des Lebens. Unhaltbar flog der Ball ins Tor, ein ungläubiger Blick des Coaches Richtung Westkurve, von wo ein ohrenbetäubender Lärm einsetzte. Er hatte es geschafft. Erschlagen von seinen Gefühlen sank er auf die Knie, reckte die Arme gen Himmel und kämpfte mit seinen Gefühlen. Sofort ließ er sich wieder auswechseln. Sein Wunsch war erfüllt. Er konnte Dynamo endlich etwas zurückzugeben, für all die Unterstützung während seiner Verletzungspause, für all die schönen Momente in einer Zeit voller Täler. Oder um es mit den Worten des FC Roter Sterni zu sagen: Ist der Coach glücklich, sind auch wir glücklich.
Den Schlusspunkt dieser Partie setzte der, der den Chancenreigen auch eröffnete, die alte Dynamo Legende, Juli. Der Rote Sterni startete einen Angriffsversuch und rückte weit auf. Nachdem die Dosen den Ball schnell wieder erobern konnten, wurde er lang auf die linke Dynamo-Seite geschlagen. Dort startete, der eben für den Coach eingewechselte, VH7 durch und konnte fast bis zur Grundlinie durchlaufen. Von dort aus schlug er einen scharfen, flachen Pass Richtung langer Pfosten, wo Juli wartete. Dieser will den Ball direkt nehmen, rutscht jedoch aus und setzt sich erstmal in aller Ruhe hin. Mit seinem unvergleichlichen Talent schaffte er es, in dieser fließenden Bewegung den Ball anzunehmen, um ihn anschließend sitzend mit der Sohle über die Linie zu bugsieren. Pure Weltklasse, ein Tor eines Thomas Müllers würdig.
Was war das heute wieder für ein Fußballfest! Gute Laune auf und neben dem Platz, ein Schiedsrichter-Team, das Lust hatte und ein Spiel voller großartiger Momente. Wir haben endlich mal wieder ein Team gefunden, gegen die es Spaß macht, Fußball zu spielen.
Lieber FC Roter Sterni 04, ihr seid herzlich eingeladen, mit uns nochmal den Fußballsport zu zelebrieren, sei es ein Testspiel oder zum Promillekampf. Es war uns einfach eine Freude, euch kennenzulernen, es herrschte stets gute Laune auf dem Platz und der freundliche Trash-Talk mit eurem Trainer in der IV wird mir ewig im Gedächtnis bleiben. Wie unsere Scouts berichteten, seid ihr nach Spielschluss mit Gaskocher und Glühwein losgezogen. Was soll ich dazu sagen, außer: „Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées.“ (Zitat K.H. Rummenigge). Das nächste Mal gern gemeinsam, Teams wie ihr machen den Reiz des Fußballsportes aus.
Gemeinsam im Kampf gegen Nüchternheit und Fußballmafia.
xoxo
Eure SGD