09/06/2026
Es ist Abend. Kurz bevor ich meine Tochter zu Bett bringe, klingelt das Telefon. Eine fremde Nummer.
Ich denke noch: Kurz abnehmen, sagen, dass ich später zurückrufe, und dann weiter mit unserem Abendritual.
Doch als ich den Anruf entgegennehme, höre ich auf der anderen Seite eine gebrochene Stimme:
„Guten Abend. Mein Mann ist am Wochenende verstorben, und ich wollte fragen, ob Sie unsere Abdankung leiten können.“
Innerlich denke ich: Oops. Das kann ich jetzt nicht einfach schnell abwimmeln.
Mit ruhiger Stimme antworte ich: „Vielen Dank für Ihr Vertrauen. Und mein herzlichstes Mitgefühl für den Verlust Ihres Mannes.“
Gleichzeitig wartet meine Tochter auf ihre Gute-Nacht-Geschichte, und zwei Welten treffen für einen Moment aufeinander: das Familienleben und die Begleitung von Menschen in ihren schwersten Stunden.
Ich erkläre, dass ich gerade meine Tochter ins Bett bringe, höre mir aber gerne die wichtigsten Informationen an. Datum, Uhrzeit, Ort. Ich verspreche, alles zu prüfen und mich am nächsten Tag zurückzumelden.
Solche Anrufe kommen selten dann, wenn man gerade darauf vorbereitet ist. Sie erreichen mich mitten im Alltag – beim Einkaufen, in der Tram, beim Kochen oder eben kurz vor dem Zubettbringen meiner Tochter.
Und jedes Mal schaltet mein Nervensystem unmittelbar in einen anderen Modus. Es wird still, aufmerksam, präsent. Denn Menschen, die gerade einen Verlust erlitten haben, brauchen mehr als organisatorische Antworten. Sie brauchen Trost, Halt und das Gefühl, dass jemand da ist, der sie auffängt.
Nicht immer einfach. Aber ein wesentlicher Teil der Begleitung trauernder Menschen.
Manchmal beginnt diese Begleitung mit einer Zeremonie. Manchmal mit einem einzigen Anruf und einer gebrochenen Stimme am anderen Ende der Leitung.