10/05/2020
Muttertag !
Ein Reizwort für Frauen mit Kinderwunsch!
Heute ist Muttertag und während viele da draussen ihrer Mütter gedenken und ihnen kleine Aufmerksamkeiten überreichen, denke ich an all die Frauen, denen das Muttersein versagt geblieben ist, an all die Frauen, die Monat für Monat darauf hoffen, schwanger zu werden und auch an all die Frauen, die schwanger waren und ihre Kinder in einer stillen Geburt verloren haben. Ich denke an all die Frauen, die sich leer und „ausgebrannt“ fühlen nach vielen Behandlungen und dem Hoffen und Bangen. Und ich denke auch an die Frauen, die sich vielleicht schon vordergründig von ihrem Kinderwunsch verabschiedet haben, aber dennoch jeden Monat leise für sich hoffen und trauern.
In meiner Praxis begleite ich seit vielen Jahren Frauen bzw. Paare auf ihrem Weg durch die Kinderwunschzeit. Viele bewegende und berührende Schicksale habe ich mit erleben dürfen – immer wieder eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Aufgeben und Weitermachen, zwischen Trauer und Freude, zwischen Annehmen und „doch-noch-nicht-loslassen-Können. An all diese Frauen denke ich, die tapfer ihren Weg gehen, die lächeln und versuchen sich zu freuen, wenn die beste Freundin und Schwester erzählt, dass sie schwanger geworden ist. Sie lächeln und gleichzeitig „zerbricht“ etwas in ihnen. Und diese Gefühle, die da sind und nicht sein dürfen: Wut, Neid, Eifersucht…. Ich sage dann immer, dass genau diese Gefühle auch ihren Platz haben dürfen, denn es ist zutiefst menschlich, dass wir Neid empfinden, wenn jemand genau das bekommt, was wir uns doch schon so lange so sehr wünschen. Es geht dann erstmal darum, dass alles anzunehmen: die Trauer und die Wut haben genauso ihren Platz wie die Freude darüber, dass die beste Freundin ein Baby bekommt. Ja: alles darf sein und darf auch gleichzeitig in uns sein! Das Annehmen ist vielleicht am Anfang schmerzhaft, denn allzu oft versuchen wir unsere Gefühle zu unterdrücken, um den Schmerz nicht zu spüren. Aber ein Schmerz, ein Gefühl können sich wandeln, wenn wir sie in der Tiefe anschauen und zulassen.
Der erste Schritt ist also das Annehmen und Zulassen, denn es ist normal Wünsche und Sehnsüchte zu haben. Sind wir auf jemanden neidisch, so zeigt uns das letztendlich nur, dass derjenige etwas hat, was wir (noch!) nicht haben. Manche Wünsche lassen sich relativ leicht erfüllen, bei anderen Wünschen ist die Erfüllung sehr viel schwieriger und zwar immer genau dann, wenn unser eigener Einfluss auf die Wunscherfüllung relativ gering ist oder so scheint. Auf den Kinderwunsch übertragen heisst das: leichte körperliche Beschwerden, wie Zyklusstörungen oder ähnliches kann man relativ leicht positiv beeinflussen, etwa mit homöopathischen Mitteln, Heilpflanzen oder Akupunktur. Meist kann dann schon recht schnell eine Schwangerschaft eintreten. Gibt es tiefgreifendere Störungen auf der körperlichen Ebene (egal ob bei Mann oder Frau), so lassen sich diese zum Teil auch mit Hilfe der oben genannten Therapien oder mit Unterstützung von Seiten der Schulmedizin positiv beeinflussen. Und doch gibt es viele Fälle, wo scheinbar körperlich alles in Ordnung ist und dennoch keine Schwangerschaft eintreten möchte oder es kommt zu mehreren Fehlgeburten. Die Reproduktionsmedizin vermittelt leider all zu oft, dass alles möglich ist. Umso schwieriger ist es dann zu verstehen, dass es wieder nicht geklappt hat. Wir haben doch nun wirklich alles getan! Was haben wir übersehen? Welche Untersuchung können wir noch machen? Das sind die typischen Fragen, mit denen Paare zu mir kommen, wenn mehrere künstliche Befruchtungen nicht geklappt haben. Letzendlich bleibt mir dann tatsächlich häufig nur zu sagen, dass es in diesem ganzen Tun eine Instanz (das Leben, Gott, die Lebensenergie, die uns verbindet….) gibt, auf die wir Menschen keinen Einfluss haben. Wir können nicht alles planen und beeinflussen. Das Leben handelt nach seinen eigenen Spielregeln. Kinder lassen sich nicht ins Leben zwingen. Und Schwangerwerden ist ein Prozess.
Nichtsdestotrotz bleibt der Wunsch und wird mit jeder erfolglosen Behandlung häufig größer. Wenn ein Wunsch immer mehr Raum einnimmt, wird er zu Sehnsucht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es zwar vordergründig die Sehnsucht nach einem Kind ist, dass aber oft auch noch eine ganz andere Sehnsucht dahinter steckt. Haben die Frauen oder Paare erkannt, wohin die Sehnsucht in der Tiefe tatsächlich geht, können sie den Kurs neu einstellen. Alte Wunden dürfen heilen, es ist möglich, wieder nach vorne zu schauen und das Leben wieder willkommen zu heißen.
Die starke Sehnsucht nach einem Kind ist immer verbunden mit Gefühlen wie Hoffnung, Selbstmitleid, Schuld, Angst, Ohnmacht oder Trauer. Und auch hier gilt: Annehmen – all diese Gefühle dürfen sein. Im nächsten Schritt, zu dem ich die Frauen und Paare einlade, geht es darum,“hinter“ den Kinderwunsch zu schauen. Was bedeutet es für mich/uns, Mutter/Eltern zu sein:
das Bedürfnis nach einem Leben in Verantwortung und Fürsorglichkeit
das Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit
ich/wir möchten etwas mitgeben
ich/wir möchten Spuren hinterlassen
wir möchten es besser machen, als unsere Eltern
ein Kind gehört zum Lebensplan dazu
Wenn man sich mit solchen Fragen auseinandersetzt, beginnt ein ganz anderer Prozess. Wenn sich Frauen und Paare auf diesen Prozess einlassen, werden sie dabei mehr ihrer selbst bewusster. Es geht nun darum, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. So dürfen sich die Frauen und Männer auch wieder als eine Einheit aus Körper, Geist und Seele betrachten. Ging es doch zuvor immer nur um den Körper…. Das alles zu betrachten, anzunehmen und zu integrieren ist ein wunderschöner und heilsamer Prozess. Und mehr als einmal geschieht dann doch ein „Wunder“.
Allen Müttern und allen Frauen die es liebend gerne sein möchten und wollten wünsche ich einen schönen Tag!
Herzlichst,
Sandra 💜